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17. Jahrhundert
Das 17. Jahrhundert begann am 1. Januar 1601 und endete am 31. Dezember 1700. Es ist die Epoche der Neuzeit (Frühe Neuzeit).
Persönlichkeiten
- Francis Bacon, englischer Philosoph
- Oliver Cromwell, englischer Politiker
- René Descartes, Philosoph und Mathematiker
- Galileo Galilei, Wissenschaftler
- Thomas Hobbes, Philosoph
- Jan Amos Komenský, Theologe und Pädagoge
- Gottfried Leibniz, Philosoph und Mathematiker
- John Locke, englischer Philosoph
- Claudio Monteverdi, Komponist
- Isaac Newton, Physiker und Mathematiker
- Blaise Pascal, Theologe, Mathematiker und Philosoph
- Franz von Sales, Bischof und Heiliger
- Heinrich Schütz, Komponist
- William Shakespeare, Dramatiker
- Baruch Spinoza, Philosoph
- Rembrandt van Rijn, Maler
Anderes
- Barock, von 1550 - 1750
- Dreißigjähriger Krieg von 1618 - 1648
- Pfälzischer Erbfolgekrieg, 1688 - 1697: Leitet die Machtverlagerung von Frankreich zu Großbritannien ein.
Erfindungen und Entdeckungen
- Isaac Newton entwickelt den Differentialkalkül und legt die Grundlagen der klassischen Mechanik.
- Erste Messung der Lichtgeschwindigkeit, 1676.
- Flaschenkorken ermöglichen die Lagerung von Wein in Flaschen.
01-17
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ja:17世紀
ko:17세기
1601
- 8. Januar: Baltasar Gracián, spanischer Jesuit, Prediger und Schriftsteller († 1658)
- 7. März: Johann Michael Moscherosch, Staatsmann, Satiriker und Pädagoge im Barockzeitalter († 1669)
- 19. März: Alonso Cano, spanischer Maler, Bildhauer und Architekt († 1667)
- 17. August: Pierre de Fermat, französischer Jurist und Mathematiker († 1665)
- 22. September: Anna von Österreich, 1643–1661 Regentin von Frankreich († 1666)
- 27. September: Ludwig XIII. (Frankreich), König von Frankreich von 1610 bis 1643 († 1643)
- 25. Dezember: Ernst I. von Sachsen-Gotha, Sohn von Herzog Johann III. von Sachsen-Weimar († 1675)
- 31. Mai: Gebhard I. von Waldburg, war Kurfürst und Erzbischof von Köln (1577–1583) ( - 1547)
- 9. August: Mihai Viteazul, Fürst der Walachei (1593–1601), von Transsilvanien (1599–1600), und der Moldau 1600 ( - 1558)
- 9. Oktober: Nikolaus Krell, Kanzler des Kurfürsten von Sachsen, hingerichtet ( - um 1550)
- 12. Oktober: Luis de Molina, jesuitischer Theologe ( - 1535)
- 24. Oktober: Tycho Brahe, dänischer Astronom ( - 1546)
- Juan de Fuca: griechischer Seefahrer
ko:1601년
1700
- 1. Januar: Zar Peter der Große ersetzt die bis dahin in Russland geltenden byzantinische Jahreszählung ab Erschaffung der Welt durch den julianischen Kalender mit Jahreszählung ab der Geburt Christi
- 23. November: Klemens XI. wird Papst
- Gründung von „Le Bourset“ (heute: Neuhengstett) durch nach Württemberg vertriebene Waldenser
- In Mitteleuropa beginnt der Große Nordische Krieg
- In Schweden wird der gregorianische Kalender eingeführt
Kultur
- 6. Juni: Uraufführung der Oper L'inganno vinto dalla Costanza von Attilio Ariosti in Berlin
- 14. Januar: Christian Friedrich Henrici, wichtigster Textdichter Johann Sebastian Bachs († 1764)
- 2. Februar: Johann Christoph Gottsched, Gelehrter und Schriftsteller († 1766)
- 9. Februar: Daniel Bernoulli, Schweizer Mathematiker († 17. März 1782)
- 3. März: Charles Joseph Natoire, französischer Maler († 1777)
- 4. März Salomon Kleiner, Architekturzeichner und -stecher aus Augsburg († 1761)
- 13. März: Michel Blavet, französischer Flötist und Komponist († 1768)
- 1. April: Ulrich von Löwendal, Feldherr und Marschall von Frankreich
- 2. Mai: Charlotte Christine Magdalene Johanna von Hanau-Lichtenberg, († 1726)
- 7. Mai: Gerard van Swieten, österreichischer Mediziner niederländischer Herkunft
- 26. Mai: Nikolaus Graf von Zinzendorf, deutscher Theologe (Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine) († 1760)
- 10. Juni: Ewald Jürgen Georg von Kleist, Physiker
- 6. Juli: Joseph Gabler, deutscher Orgelbaumeister († 1771)
- 13. August: Heinrich Graf von Brühl, sächsischer Ministerpräsident und eine der umstrittensten Figuren der sächsischen Geschichte († 1763)
- 17. August: Clemens August I. von Bayern, Erzbischof von Köln († 1761)
- 11. September: James Thomson, schottischer Dichter († 1748)
- 14. September: Johann Michael Franz, Geograph († 1761)
- 24. November: Johann Bernhard Bach, deutscher Komponist († 1743)
- 25. Dezember: Leopold II. (Anhalt-Dessau), Fürst von Anhalt-Dessau und preußischer General († 1751)
- Anton Wilhelm Amo, ghanaischer Philosoph († 1754)
- 26. März: Heinrich Meibom, deutscher Mediziner ( - 1638)
- 4. April: Heinrich von Mering, Priester und Domherr in Köln ( - 1620)
- 12. Mai: John Dryden, englischer Schriftsteller ( - 1631)
- 17. Mai: Adam Adamandy Kochański, polnischer Mathematiker ( - 1631)
- 6. August: Johann Beer, österreichischer Schriftsteller und Komponist ( - 1655)
- 15. September: André Le Nôtre, französischer Landschaftsarchitekt ( - 1613)
- 27. September: Innozenz XII., Papst seit 1691 ( - 1615)
- 27. Oktober: Armand Jean Le Bouthillier de Rancé, Begründer des Trappistenordens ( - 1626)
- 1. November: Karl II. (Spanien), war König von Spanien ( - 1661)
ko:1700년
Neuzeit
Als Beginn der Neuzeit wurde in der Geschichtswissenschaft lange Zeit die Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 und der Beginn der Reformation Luthers im Jahre 1517 angesehen. Weitere damit verbundene Zäsuren sind die Renaissance, der Humanismus und die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Schriftzeichenstempeln.
Periodisierung
Beginn
Die neuere historische Forschung tendiert wieder zu der schon von Philipp Melanchthon vertretenen Datierung und setzt den Fall von Konstantinopel im Jahre 1453 als Beginn der Neuzeit an, der zur Flucht von Gelehrten nach Italien und dort zum Aufblühen des Humanismus führte, dessen Verbreitung durch die Erfindung der Buchdruckerkunst um 1450 wesentlich gefördert wurde und der kulturgeschichtlichen Epoche der Renaissance weitere Impulse gab.
Ideengeschichtlich ist der Beginn der Neuzeit von historisch arbeitenden Philosophen wie Wilhelm Kamlah und Jürgen Mittelstraß dagegen sehr viel später auf die Zeit um 1600 verlegt worden. Ausgangspunkt dieser Bestimmung ist die bis dahin erfolgte Ausbildung der neuzeitlichen Wissenschaft im Sinne der modernen, prototypisch in der Physik ausgebildeten wissenschaftlichen Forschung als methodisch durchgeklärte Verbindung von mathematischer Theorie und technischer Empirie (Kamlah), die in der oberitalienischen Werkstättentradition entwickelt und zur Grundlage des modernen Szientismus wurde.
Unterteilung
Die Neuzeit ihrerseits wird von der Geschichtswissenschaft wiederum begrifflich unterteilt in:
- die Frühe Neuzeit von der "Entdeckung Amerikas" bis zur Französischen Revolution 1789 und
- die Moderne (die manchmal auch "Neueste Zeit" genannt wird) für die Zeit danach.
Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bzw. seit der russischen Oktoberrevolution spricht man bis dato (noch) von der Zeitgeschichte, die in der historischen Betrachtung natürlich weiterhin Teil der Epoche der Neuzeit ist.
Epoche
Bedeutung
Eine wesentliche Rolle dabei spielten die Entdeckung Amerikas, die den praktischen Beweis lieferte, dass die Erde eine Kugel ist. Die Ablösung des geozentrischen (Ptolemäus) durch das heliozentrische Weltbild (Nikolaus Kopernikus) und die mit der Erstürmung Konstantinopels durch das Osmanische Reich verbundene Flucht vieler griechischer Gelehrter und anderer Leistungsträger in den Westen bildeten weitere Markierungspunkte auf unterschiedlichen Ebenen, die den Paradigmenwechsel (vgl. auch Paradigma) einer Zeitenwende begründen.
Somit werden der Beginn des überseeischen Kolonialismus (und die beginnende Vorherrschaft Westeuropas) als Übergang zur neuen Zeit angesehen. Gerade die Revolutionierung läutete damit das Ende jenes ideologischen Monopols ein, das die Kirche im Mittelalter innegehabt hatte. Dies wiederum erlaubte den Beginn der Reformation, die ebenfalls die beiden Epochen voneinander abgrenzt.
Soziologie
In der Soziologie wird die Debatte um eine Analyse dieser Prozesse meist nicht mit Hilfe des Begriffes "Neuzeit", sondern mit dem Begriff der "Moderne" (auch der "reflexiven Moderne" usw.) mit oft changierender Bedeutung geführt (selbst z.B. im Werk Max Webers).
Ferdinand Tönnies hingegen benutzte "Neuzeit" genau im Sinne seines theoretischen Werks Gemeinschaft und Gesellschaft als exakten Gegenbegriff zum "Mittelalter": In diesem seien die Menschen geneigt gewesen, alle sozialen Kollektive als "Gemeinschaften" zu verstehen, ganz anders als in der Neuzeit, wo sie diese sämtlich eher als "Gesellschaften" wahrnähmen. Im Mittelalter sei also ein großer Fernhandels- und Bankkonzern wie der Templerorden eher als religiöse "Gemeinschaft" aufgefasst worden, in der Neuzeit sogar die Ehe als rein "gesellschaftliches" Geschöpf eines Vertrages.
Literatur
- Ferdinand Tönnies, Geist der Neuzeit, EA 1935, 1998 (in: TG, Bd. 22).
- S. Skalweit, Der Beginn der Neuzeit. Epochengrenze und Epochenbegriff, 1982.
- Wilhelm Kamlah: Der Aufbruch der Neuen Wissenschaft. in: Utopie Eschatologie Geschichtsteleologie. Kritische Untersuchungen zum Ursprung und zum Futurischen Denken der Neuzeit. Bibliographisches Institut, Mannheim 1969 (BI Htb 461) S. 73-88
- Mittelstraß, Jürgen: Neuzeit und Aufklärung. de Gruyter, Berlin 1970
Demnächst erscheint der erste Band der vom J.B. Metzler Verlag verlegten "Enzyklopaedie der Neuzeit", die detailliert auf die wichtigsten Themen einzugehen verspricht.
Siehe auch
Frühe Neuzeit, Moderne, Zeitgeschichte
Kategorie:Soziologie
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ja:近代
Francis BaconFetter Text
Francis Bacon (Baron Baco von Verulam) ( - 22. Januar 1561 in London; † 9. April 1626 in London) war ein englischer Philosoph und Staatsmann. Er gilt als Wegbereiter des Empirismus.
Leben
Empirismus
Francis Bacon war der jüngste der fünf Söhne von Sir Nicholas Bacon (1509 bis 1579), Lordsiegelbewahrer unter Elisabeth I., und Ann Cooke Bacon.
Im Alter von 13 Jahren kam er aufs Trinity College, Cambridge, wo er mit seinem älteren Bruder Anthony Bacon (1558 bis 1601) lebte, und sich drei Jahre als eifriger Student zeigte. Jedoch stammt wohl schon aus dieser Zeit seine Abneigung gegen „fruchtlose“ aristotelische Philosophie.
1576 wurden die Brüder Bacon bei der societas magistrorum (d.h. Lehrkörper) von Gray's Inn (eine der vier Juristenschulen in London) aufgenommen. Wenige Monate später gingen sie ins Ausland zu Sir Amias Paulet, dem englischen Botschafter in Paris. Die turbulente Lage von Frankreichs Regierung und Gesellschaft zur Zeit der Regentschaft von Heinrich III. bot Francis Bacon wertvolles politisches Anschauungsmaterial.
Im Februar 1579 machte der plötzliche Tod des Vaters die Rückkehr nach England notwendig. Sir Nicholas hatte nicht mehr für die finanzielle Absicherung seines Jüngsten sorgen können. Es wurde notwendig, einen Beruf zu ergreifen, und Bacon nahm noch 1579 sein Studium der Juristerei an Gray's Inn wieder auf. 1582 ließ er sich als Anwalt nieder.
Bacon wurde 1584 Mitglied des House of Commons (bis 1614). Sein Widerspruch gegen eine beantragte Geldbewilligung der Regierung ließ ihn 1593 bei Königin Elisabeth I. in Ungnade fallen. Sämtliche Versuche Bacons, dies vergessen zu machen, scheiterten aller vorgetragenen Demut zum Trotz, bis er 1601 als Ankläger gegen seinen vormaligen Gönner Robert Devereux, den Earl of Essex, eingesetzt wurde. Anlass war dessen kläglich gescheiterter Putschversuch vom 8. Februar dieses Jahres. Bacon vertrat die Anklage mit einer Schärfe, die durch die Verfehlungen Essex' allein nicht zu rechtfertigen war, aber durchaus im Sinne der Königin und somit Bacons Karriere war.
Unter James I. gelang es ihm, politisch richtig Fuß zu fassen. Im Zuge der Krönungsfeierlichkeiten wurde Bacon 1603 - als einer von 300 Gefolgsleuten - zum Ritter geschlagen, was wohl auf Bitten seines Vetters Robert Cecil erfolgte.
Im Jahr 1607 wurde er zum Generalstaatsanwalt (solicitor-general) ernannt, sechs Jahre später stieg er, nach dem Tod seines Vorgängers, zum Generalfiskal (attorney general) auf.
1617 wurde er Großsiegelbewahrer, 1618 wurde er zum Lordkanzler befördert und Baron Baco von Verulam.
Drei Jahre später – er hatte den Titel Viscount St. Alban erhalten – wurde er der Bestechlichkeit angeklagt. Das Verfahren gegen ihn wurde mit derselben Härte geführt, mit der Bacon selbst gegen andere vorgegangen war. Zu verdanken hatte er es unter anderem der Tatsache, dass er sich im Laufe seiner Karriere einige Feinde geschaffen hatte. Ursächlich ging es um ungesetzlich erteilte Monopole im Interesse der Krone. Nach Geständnis und Urteil zu Gefängnis und Geldstrafe wurde er vom Hof verbannt. Die Haft jedoch, die in das Ermessen des Königs gestellt wurde, dauerte nur wenige Tage. Auch für die Geldstrafe fand man eine Summe, die Bacon nicht ernsthaft schädigte.
Auf dem Familiensitz in Gorhambury nahm er seine - in den 1590er Jahren begonnene - Tätigkeit als philosophischer Schriftsteller wieder auf. Am 9. April 1626 starb er in Highgate (damals nahe London) an den Folgen des einzigen von ihm überlieferten empirischen Versuches: Beim Experiment, ob sich die Haltbarkeit toter Hühnchen durch Ausstopfen mit Schnee verlängern ließe, zog er sich eine Erkältung zu und erlag wenig später einer Lungenentzündung. Er hinterließ Schulden in Höhe von 22,000£.
Schriften
Francis Bacon verfasste zahlreiche philosophische, literarische und juristische Schriften. Als Methodiker und Didaktiker gilt er als einer der Begründer der modernen Wissenschaft. Als seine beiden Hauptwerke sah er selbst an De dignitate et augmentis scientiarum (erschienen 1623), die ein erster Versuch einer Universalenzyklopädie genannt werden kann, und Novum organon scientiarum (1620), eine Methodenlehre der Wissenschaften. De augmentis... ist eine erweiterte Fassung seines früheren Werkes Advancement of Learning (1605) und stellt nicht nur eine systematische Übersicht über den Wissensstand seiner Zeit dar, sondern erweitert sie um künftige Gebiete der naturwissenschaftlichen Forschung. Diese beiden Schriften waren eigentlich nur ein Teil eines wesentlich umfassenderen Werkes, das Bacon geplant, jedoch nicht vollendet hat - wie so manche andere seiner Vorhaben. 1609 erschien seine - sehr populäre - Interpretation antiker Mythen Francisci Baconi De Sapientia Veterum Liber. Etwa im Jahr 1614 schrieb er The New Atlantis, eine Utopie, in der er die Gründung wissenschaftlicher Akademien nach seinen Vorstellungen anregte (unvollendet - erstmals im Druck in seinem Todesjahr). Besondere Wirkung auf seine Zeitgenossen hatten seine Essayes (1597 erstmals erschienen), die 1612 von zehn auf 38 erweitert wurden und schließlich in der aus 58 Aufsätzen bestehenden Fassung von 1625 unter dem Titel The Essayes or Counsels, Civill and Morall. mündeten. Nicht nur in den Essays, auch in seinen anderen Werken war Bacon einer der vollkommensten englischen Schriftsteller; er verstand wie kein Zweiter, Farbigkeit der Sprache mit Durchsichtigkeit, gedankliche Fülle mit Klarheit zu verbinden. Seine bildhafte Sprache machte alle von ihm erörterten Gegenstände anziehend und anschaulich. Dies - in Verbindung mit seiner außerordentlichen Karriere – erklärt auch seine ungewöhnliche Wirkung auf Zeitgenossen und Nachwelt.
Leistung
In Cambridge brachte ihn das Studium verschiedener damaliger Disziplinen zu dem Schluss, dass sowohl die angewandten Methoden als auch die erlangten Ergebnisse fehlerbehaftet seien. Seine Verehrung für Aristoteles stand in Kontrast zu seiner Abneigung gegenüber der aktuellen aristotelischen Philosophie. Sie erschien ihm öde, streitlustig und falsch in ihren Zielsetzungen. Die Philosophie brauche einen wahren Zweck und neue Methoden, ihn zu erreichen.
Der Ausspruch "Wissen ist Macht" wird ihm 1597 zugeschrieben. Er forderte damit, was seit der Aufklärung die Naturwissenschaft weitgehend bestimmt hat: ihre praktische Nutzanwendung. Ziel der Wissenschaft sei Naturbeherrschung im Interesse des Fortschritts. Der Mensch könne die Natur jedoch nur dann beherrschen, wenn er sie kenne. Das Ziel naturwissenschaftlichen Erkennens jedoch werde vom Philosophen bestimmt, der müsse auch die allgemein verbindlichen Methoden finden. Nach seiner Ansicht hätten in der Philosophie bisher Grundsätze geherrscht, die der Verstand ohne Rücksicht auf die wirkliche Natur der Dinge einfach als gegeben voraussetzte: dies nannte er die "Methode der Antizipationen". Ihr stellte er seine "Methode der Interpretationen" (true directions concerning the interpretation of nature) gegenüber, die auf das genaue und gründliche Verständnis der Natur abzielt. Unser Verstand solle die Natur auslegen wie der gute Interpret einen Autor, indem er sich müht, auf ihren Geist einzugehen. Dies gelinge nicht durch hochfliegende Ideen und scholastische Spitzfindigkeiten, sondern nur durch Unterwerfung unter die Natur: "natura parendo vincitur". Dazu müssten wir uns vor allem der - wie er sie in Anlehnung an Platon nennt - Idole entledigen. Bacon unterscheidet vier Gruppen des Selbstbetrugs des Forschers:
# idola specus (Höhlen-Trugbilder) nannte er diejenigen Täuschungen, die sich aus den dunklen Tiefen der Individuums ergeben. Er spricht damit das Unbewusste in unseren Handlungen und Denkweisen an. (Der Eine etwa hebt Ähnlichkeiten hervor, wo der Andere Differenzen sieht.) Nach seiner Auffassung sind diese Irrtümer zu wirr und vielfältig, um systematisch beschrieben zu werden.
# idola theatri (erdichtete Trugbilder) würden wir „Dogmen“ nennen: fremde Meinungen, die wir glauben, ohne zu „hinterfragen“. Darunter verstand Bacon nicht nur die unkritische Haltung der Scholastiker gegenüber „den Autoritäten“. Sondern er kritisierte in diesem Zusammenhang auch die eher skeptischen Humanisten, soweit sie dogmatisch zwischen Geistes- und Naturwissenschaften trennten und die letzteren geringschätzten.
# idola fori (Trugbilder der Tribüne / des Marktes) nannte er diejenigen Irrtümer, für die unser Sprachgebrauch verantwortlich ist. Sie entsprängen der Gewohnheit, an die Stelle der Dinge Worte zu setzen: sie verwechselten die konventionellen Zeichen für die Dinge mit den Dingen selbst, den Marktwert mit ihrem Realwert. Damit nahm Bacon wieder die Nominalisten aufs Korn. In diesen Überlegungen finden sich die Anfänge einer Sprachkritik der Philosophie.
# idola tribus (Trugbilder der Gattung) waren für ihn Fehler unseres Verstandes - am schwierigsten zu erkennen und zu vermeiden. Menschen (als Gattung) neigten dazu, Dinge und Vorgänge aus menschlicher Sicht zu sehen und zu beurteilen. Dabei verlören die Dinge der Natur ihre Eigentümlichkeit und würden von der Denkweise oder den Affekten des Forschers beeinflusst. Beispiele sind für ihn plötzliche oder außergewöhnliche Vorgänge, die wir gerne überbetonen.
Diese letzte Gruppe von Irrtümern - die idola tribus - nähert sich scheinbar der Ansicht Kants. Jedoch ist für Bacon das, was er "Natur" nennt, nicht eine Schöpfung unseres Geistes, sondern etwas Objektives, dessen wahres Wesen menschlicher Verstand sehr wohl zu erkennen vermag - falls es ihm nur gelingt, sich aus dem Bann trügerischer Bilder und Schlüsse zu lösen.
Neben der Untersuchung der idola waren folgende zwei Schlussfolgerungen Bacons besonders fruchtbar: erstens genüge es nicht, eine durch Induktion gewonnene Schlussfolgerung zu akzeptieren und immer neue, bestätigende Beispiele hierfür zu suchen. Vielmehr müsse der Forscher die negativen Instanzen mit besonderer Sorgfalt prüfen; das sind die Fälle, die eine Ausnahme von einer bisher gültigen Regel belegen. Denn: in der Philosophie genügt bereits ein einziges Gegenbeispiel, die (angeblich bereits bewiesene) Wahrheit einer Folgerung zu widerlegen (damit hatte er das Falsifikationsprinzip formuliert). Zweitens war Bacon davon überzeugt, dass menschliches Wissen kumulativ ist. Damit hatte er sich von der Ansicht der Scholastiker befreit, die meinten, alles, was der Mensch wissen könne, sei bereits in der Heiligen Schrift bzw. den Werken des Aristoteles enthalten. Die Gebiete der Naturwissenschaften, die noch erforscht werden könnten, hatte er bereits in De augmentis... auszuloten versucht (unter anderem nannte er die Literaturgeschichte, Krankheitsgeschichte, Handelswissenschaften). Die Vervollkommnung unseres Wissens zu immer höheren Graden war ein Lieblingsthema Bacons; wenn er von ihr schrieb, erhob sich seine Phantasie in poetische Höhen.
Als überzeugter Gegner spitzfindiger Diskussionen, die keine neuen Erkenntnisse bringen konnten, setzte er auf eingehende Naturbeobachtung und das Experiment - Empirie also. Nicht mysteriöse gestaltende Wesen (formae substantiales), wie „der erste Beweger“, die Weltseele, durften nach seiner Auffassung als Erklärungsgrund physikalischer Vorgänge angenommen werden, sondern nur Naturgesetze, die wiederum durch Beobachtung und induktive Schlussfolgerungen gefunden werden können. Dabei dürften nie Endursachen (fines) als Erklärungsgründe mit untergeschoben werden.
Wissenschaftlich brauchbare Beobachtungen mussten für ihn wiederholbar sein. Aus diesem Grunde war er entschiedener Gegner magischer oder kabbalistischer Praktiken. Aus ebendiesem Grunde war Bacon auch gegenüber der Intuition voreingenommen: intuitiv bzw. durch Analogieschlüsse gewonnene Erkenntnisse gehörten nicht zu seinem Weltbild als Empiriker.
Würdigung
Das Bild des Francis Bacon, das die Nachwelt gezeichnet hat, ist zwiespältig: einerseits wird er als machtgierig und hinterhältig beschrieben, andererseits werden seine Leistungen als „geistiger Gründervater“ der modernen Naturwissenschaften in den Himmel gehoben. Beide Extreme wirken übertrieben.
In dem Fragment De Interpretatione Naturae Prooemium, das wahrscheinlich um das Jahr 1603 geschrieben wurde, analysierte Bacon seine Motive. Er legte dar, weshalb er ins öffentliche Leben trat. Er begann mit dem Satz "Ego cum me ad utilitates humanas natum existimarem..." (Seit ich von mir denke, zum Vorteil der Menschheit geboren zu sein...") Das klingt auf den ersten Blick arrogant, doch es muss daran erinnert werden, dass es die Arroganz von Aristoteles' Megalopsychos ist, dem Mann mit großer Seele, der von sich selbst denkt, er sei der großen Dinge würdig. Bacon war zeitlebens zwischen seinen politischen Ambitionen und seinen schriftstellerischen und wissenschaftlichen Interessen hin und her gerissen. So sah er seine Lebensmission dreigeteilt: Sie bestand aus der Schaffung des Guten für die Menschen über die Entdeckung der Wahrheit, der praktische Wunsch seinem Land zu dienen und der Hoffnung, etwas für seine Kirche zu tun. Ein ehrenhafter Posten im Staat würde ihm die Möglichkeit geben, diese drei Visionen zu verwirklichen.
Das stetige Streben nach diesen drei Zielen enthält den Schlüssel zu Bacons Leben. Er besaß zweifelsohne die Qualifikationen, um die Aufgabe zu meistern. Er hatte einen weitblickenden und scharfsinnigen Intellekt, schnell und doch vorsichtig, nachdenklich, methodisch und frei von Vorurteilen. Wenn wir seine gewinnende Art hinzurechnen, bekommen wir ein nahezu komplettes Bild seines Charakters zu dieser entscheidenden Zeit seines Lebens. Bacons Handlungen lassen ihn allerdings zeitweise gegenüber dem jeweiligen Herrscher nicht nur diensteifrig, sondern geradezu servil erscheinen: so etwa bei dem Verfahren 1621 gegen ihn selbst, in dem er sich widerstandslos zum Bauernopfer machen ließ.
Die Neuerungen, die Bacon in der wissenschaftlichen Methodenlehre nachgesagt werden, entpuppen sich allerdings bei näherer Betrachtung als nicht gar so neu: Er sagte zwar im Novum Organon, die Methode der Induktion sei der wahre Weg, den bisher noch niemand versucht habe, aber ein flüchtiger Blick auf die Geschichte der Philosophie zeigt eine Reihe negativer Instanzen. Schon Aristoteles hat die induktive Methode sehr wohl genutzt; diesem folgten die Naturphilosophen in Alexandria, die arabischen Denker und die Humanisten.
Bacons Zeitgenosse Tommaso Campanella fasste seine Lehre in dem Satz zusammen: tantum possumus, quantum scimus (wir vermögen soviel, wie wir wissen), der Bacons berühmtem Wahlspruch: wisdom is power verdächtig ähnlich ist. Bernardino Telesio in Neapel stellte zwei Generationen früher das Leitprinzip auf: die Natur müsse aus sich selbst erklärt werden - ohne Spekulationen also. Der Spanier Ludovicus Vives wollte alle Forschung auf Erfahrung gegründet, alle Metaphysik durch direkte Untersuchung und Experiment ersetzt wissen.
Verblüffend sind die Ähnlichkeiten mit Bacons Namensvetter Roger Bacon, der drei Jahrhunderte früher gelebt hat und zu Beginn des 17. Jahrhunderts völlig vergessen war. Der machte vier offendicula der Erkenntnis aus, die uns den Weg zur wahren Naturerkenntnis versperren: Respekt vor Autoritäten; Gewohnheit; Abhängigkeit von den Meinungen der Menge; Unbelehrbarkeit unserer Sinne; sie decken sie sich fast vollständig mit den idola. Auch prophezeite Roger - wie Francis Bacon - der menschlichen Erfindungskunst eine unabsehbare Entwicklung. Weiter: die Naturbeobachtung und das Experiment seien der einzige Weg zum gesicherten Wissen: sine experientia nihil sufficienter sciri potest (ohne Erfahrung kann man kein hinreichendes Wissen erlangen). Anders als sein Namensvetter, der fruchtbarer Forscher und Erfinder war, war Francis Bacon jedoch kein Mann der Praxis.
Francis Bacon forderte experimentelle Forschung. Dabei rannte er im Grunde offene Türen ein: Galileo Galilei in Pisa, Jesuiten wie Christoph Scheiner in Ingolstadt, William Gilbert und William Harvey in London (um nur einige zu nennen), hatten bereits präzise Beobachtungen zum Standard ihrer bahnbrechenden Arbeiten gemacht. Eigenartig ist, dass Bacon die Mathematik völlig vernachlässigte, ja sogar als Spielerei verächtlich machte. Es waren seine Zeitgenossen Galilei und Kepler - die Praktiker - die sie als Fundament der modernen Physik erkannten und einsetzten. Die kopernikanische Lehre lehnte er ab, da sie - in der Form, die Johann Kepler gefunden hatte - nicht durch Beobachtung allein, sondern mit Hilfe von Intuition und Rechnung gewonnen war.
In der Cambridge History of English and American Literature in 18 Volumes (1907–21) findet sich der Satz: „It is unfortunate that Bacon was so little appreciative of Gilbert’s book, as a careful analysis of the method actually employed in it might have guarded him from some errors.”
So hat er nicht den großartigen Entdeckungen den Weg gewiesen, mit denen die nächsten Generationen den Aufbau und die Mechanik des Weltalls, die Struktur der Erde, der Organismen und der in ihnen wirkenden Kräfte erhellten, sondern den vorwiegend technologisch orientierten bürgerlichen Nützlichkeitswissenschaften. Es wäre jedoch ungerecht, ihn in die Schublade der Utilitaristen zu schieben, denn er selbst hat „Wissenschaft für Intellektuelle“ immer höher geschätzt als „Wissenschaft für Techniker“. Aber nachfolgende Generationen haben ihn gerne so verstanden und seine Philosophie für ihr Nützlichkeitsdenken missbraucht.
Francis Bacon war nicht, wie John Pope in einem Nachruf behauptete, der „weiseste, glänzendste und gleichzeitig gemeinste des Menschengeschlechtes“ - er war einfach ein besonders begabtes Kind seines Zeitalters.
Gerüchte
Die 1885 gegründete Bacon-Gesellschaft vertritt bis heute unbeirrt die These, Francis Bacon sei der Verfasser der Werke Shakespeares. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen befassen sich derzeit mit der Frage, wo die Ursprünge für Shakespeares Werke liegen.
Von anderer Seite wird die These vertreten, Francis Bacon sei ein außerehelicher Sohn von Königin Elisabeth I.
Werke
- Über die Würde und den Fortgang der Wissenschaften (1605)
- Novum Organum [oder Novum Organon] (1620)
- Neu-Atlantis (1626)
- Essays oder Praktische und Moralische Ratschläge (1597 und 1625)
Weblinks
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- [http://www.philosophie-lernen.de/Bacon%20Gruppe%201.htm Francis Bacon. Wissen ist Macht. (Philosophieprojekt)]
Bacon, Francis
Bacon, Francis
Bacon, Francis
Bacon, Francis
Bacon, Francis
Bacon, Francis
Bacon, Francis
Bacon, Francis
St. Albans, Francis Bacon, Viscount
Bacon, Francis
Bacon, Francis
Bacon, Francis
ja:フランシス・ベーコン (哲学者)
ko:프랜시스 베이컨
Galileo Galilei
Galileo Galilei ( - 15. Februar 1564 in Pisa; † 8. Januar 1642 in Arcetri bei Florenz) war ein italienischer Mathematiker, Physiker und Astronom, der bahnbrechende Entdeckungen auf mehreren Gebieten der Naturwissenschaften machte.
Naturwissenschaften
Leben und Werk
Herkunft und Lehrjahre
Galileo Galilei stammte aus einer verarmten Florentiner Patrizierfamilie. Sein Familienzweig hatte den Namen eines bedeutenden Vorfahren angenommen, des Arztes Galileo Bonaiuti (15. Jahrhundert). Galileis Vater Vincenzo war Tuchhändler, Musiker und Musiktheoretiker und hatte als solcher mathematische Kenntnisse und Interessen; er untersuchte den Zusammenhang zwischen Saitenspannung und Tonhöhe und entdeckte dabei die vielleicht erste nichtlineare Beziehung der Physik. Es ist wahrscheinlich, dass der junge Galileo nicht nur systematisch-experimentelle Untersuchungen in Kombination mit streng mathematischer Formulierung von seinem Vater gelernt hat, sondern auch den Widerwillen, uralte Autoritäten kritiklos zu akzeptieren.
Galilei wurde als Novize in einem Kloster erzogen und zeigte Neigung, in den Benediktiner-Orden einzutreten, wurde aber von seinem Vater (angeblich?) wegen einer Augenentzündung nach Hause geholt und dann zum Medizin-Studium nach Pisa geschickt (1580). Viel später sagte er, er habe mit dem Gedanken gespielt, Maler zu werden; auch war er ein anerkannt guter Lautenspieler. Nach vier Jahren brach er sein Studium ab und ging nach Florenz um bei Ostilio Ricci, einem Gelehrten aus der Schule von Niccolò Tartaglia, Mathematik zu studieren. Er bestritt seinen Lebensunterhalt mit Privatunterricht, beschäftigte sich mit angewandter Mathematik, Mechanik und Hydraulik, und begann in den gebildeten Kreisen der Stadt mit Vorträgen und Manuskripten auf sich aufmerksam zu machen. Vor der Accademia Fiorentina glänzte er mit einem geometrisch-philologischen Referat über die Topografie von Dantes Hölle (Due lezioni all'Accademia fiorentina circa la figura, sito e grandezza dell'Inferno di Dante, 1588). 1585/86 veröffentlichte er erste Ergebnisse zur Schwere fester Körper (Theoremata circa centrum gravitatis solidorum) und löste ein antikes Problem (Heron) durch Konstruktion einer hydrostatischen Waage zur Bestimmung des spezifischen Gewichts (La bilancetta, Manuskript).
Lektor in Pisa, 1589–1592
Im Jahr 1589 erhielt er eine Stelle als Lektor für Mathematik an der Universität Pisa. Der Lohn reichte kaum zum Überleben; dennoch gelang es Galilei, vorzügliche Instrumente zu bauen und zu verkaufen. Auch entwickelte er ein - noch sehr ungenau arbeitendes - Thermometer. Er untersuchte die Pendelbewegung und fand, dass die Periode nicht von der Auslenkung oder dem Gewicht des Pendels abhängt. Bis in seine letzten Lebensjahre beschäftigte ihn das Problem, wie man diese Entdeckung zur Konstruktion einer Pendeluhr nutzen könne.
Zur Untersuchung der Fallgesetze (ausgehend von der Pendelbewegung) führte Galilei als Versuchsanordnung die schiefe Ebene mit Kugeln aus verschiedenen Materialien ein. Diese geniale Idee erlaubte es erstmals, die Geschwindigkeit der - langsam anrollenden - Kugeln zu messen. So entdeckte er die Beschleunigung und die Tatsache, dass diese etwas von der Geschwindigkeit völlig verschiedenes ist. Dies wiederum ließ sich am besten in der Formelsprache der Mathematik darstellen. (Galileis Schüler und erster Biograf Vincenzo Viviani setzte die Behauptung in die Welt, Galilei habe in Pisa auch Fallversuche vom Schiefen Turm unternommen; in Galileis Schriften und Manuskripten findet sich jedoch kein Hinweis auf solche Versuche, die mangels hinreichend genauer Uhren quantitativ nicht auswertbar gewesen wären. Davon zu unterscheiden ist das Turmargument als Gedankenexperiment, auf das Galilei in seinem Hauptwerk "Dialogo" sehr wohl selbst eingeht.)
Galilei fasste die Ergebnisse seiner mechanischen Untersuchungen in einem Manuskript zusammen, das heute als De motu antiquiora zitiert wird und erst 1890 [?] gedruckt wurde. Darin enthaltene Angriffe auf Aristoteles wurden von seinen konservativen Kollegen in Pisa unfreundlich aufgenommen und sollen dazu geführt haben, dass Galileis Stelle 1592 nicht verlängert wurde.
Galileis materielle Situation wurde dadurch verschärft, dass 1591 sein Vater gestorben war. Er musste für seine Mutter, für drei jüngere Geschwister und für die Mitgift seiner älteren Schwester sorgen.
Professor in Padua, 1592–1610
Dank guter Protektion wurde Galilei 1592 auf den Lehrstuhl für Mathematik in Padua berufen, auf den sich auch Giordano Bruno Hoffnungen gemacht hatte. In Padua, das zur reichen und liberalen Republik Venedig gehörte, blieb Galilei 18 Jahre lang. Diese Zeit soll er später die glücklichste seines Lebens genannt haben.
Obwohl seine Stelle wesentlich besser dotiert war als die vorige in Pisa, besserte Galilei sein Salär auf, indem er neben seinen akademischen Vorlesungen vornehmen Schülern Privatunterricht erteilte, darunter zwei späteren Kardinälen. Ferner vertrieb Galilei ab 1597 einen "Proportionszirkel" – Vorläufer des Rechenschiebers, der "Compasso" genannt wurde - dessen Konstruktion er erheblich verbessert hatte und für dessen Fertigung er einen eigenen Mechaniker beschäftigte. Bereits in diesem Jahr ließ er in einem Brief an Johannes Kepler deutlich erkennen, was er vom heliozentrischen Weltsystem hielt: "…unser Lehrer Kopernikus, der verlacht wurde".
Die heute nach Kepler benannte Supernova von 1604 veranlasste ihn zu drei öffentlichen Vorträgen, in denen er die aristotelische Astronomie und Naturphilosophie angriff. Aus der Tatsache, dass keine Parallaxe festgestellt werden konnte, schloss Galilei (wie bereits 1572 Tycho de Brahe), dass der neue Stern weit von der Erde entfernt sein müsse, sich also in der Fixsternsphäre befinde. Nach herrschender Lehre wurde diese für unveränderlich gehalten - ein weiteres Argument gegen die Anschauungen der „Peripatetiker“, wie man die Aristoteles-Schüler nannte. Seine Untersuchungen zu den Bewegungsgesetzen setzte er auch in diesen Jahren fort.
Peripatetiker
1609 erfuhr Galilei von dem im Jahr zuvor in Holland von Jan Lippershey erfundenen Fernrohr. Er baute aus käuflichen Linsen ein Gerät mit ungefähr vierfacher Vergrößerung, lernte dann selbst Linsen zu schleifen, und erreichte bald eine acht- bis neunfache, in späteren Jahren bis zu 33fache Vergrößerung. Galilei führte sein Instrument, dessen militärischer Nutzen auf der Hand lag (es lieferte im Gegensatz zum Keplerschen Fernrohr aufrechtstehende Abbildung), der venezianischen Regierung, der Signoria, vor, machte tiefen Eindruck und überließ ihr das (völlig illusorische) alleinige Recht zur Herstellung solcher Instrumente, woraufhin sein Gehalt verdreifacht [nach anderer Quelle verdoppelt] wurde. Entgegen der Darstellung in Brechts Drama hat Galilei die Grundidee des Teleskops wohl nicht als seine eigene Erfindung ausgegeben; eine Gehaltskürzung [-suspension ?] im folgenden Jahr deutet aber an, dass sich die Signoria durchaus hinters Licht geführt fühlte.
Als einer der ersten Menschen nutzte Galilei ein Fernrohr zur Himmelsbeobachtung. Dies bedeutete eine Revolution in der Erforschung der Himmelskörper, denn bis dahin waren die Menschen auf Beobachtungen mit dem bloßen Auge angewiesen. Mit ihm begann die Teleskop-Astronomie. Er stellte fest, dass die Oberfläche des Mondes rauh und uneben ist, mit Erhebungen und Klüften. Er erkannte, dass die dunkle Partie der Mondoberfläche von der Erde aufgehellt wird ("Erdschein"). Er stellte weiter fest, dass die Planeten - im Gegensatz zu den Fixsternen - als Scheiben zu sehen sind und entdeckte die vier größten Monde des Jupiter, die er in Vorbereitung seines Wechsels an den Medici-Hof die Mediceischen Gestirne nannte, und die heute als die Galileischen Monde bezeichnet werden. Er beobachtete, dass die Milchstraße nicht ein nebliges Gebilde ist (wie es dem bloßen Auge vorkommt), sondern aus unzähligen einzelnen Sternen besteht. Diese Entdeckungen (einschließlich einer Federzeichnung der Mondoberfläche von ihm selbst), veröffentlicht im Sidereus Nuncius (Sternenbote) von 1610, machten Galilei auf einen Schlag berühmt. Der Sidereus Nuncius war innerhalb weniger Tage vergriffen.
1610
Hofmathematiker in Florenz, ab 1610
Im Herbst 1610 ernannte der Großherzog der Toskana, Cosimo II. (sein ehemaliger Schüler), Galilei zum Hofmathematiker und -philosophen und zum Ersten Mathematikprofessor in Pisa - ohne jede Lehrverpflichtung: er bekam volle Freiheit, sich ganz der Forschung zu widmen.
Spätestens bei der Umsiedlung nach Florenz trennte sich Galilei von Marina Gamba, seiner Haushälterin, mit der er drei Kinder hatte: Virginia (Ordensname Maria Celeste, 1600-1634), Livia (Ordensname Arcangela, 1601-1659) und Vincenzio (1606-1669). Mit Hilfe eines Bewunderers, des Kardinals Maffeo Barberini (später Papst Urban VIII.), brachte Galilei seine Töchter noch vor Erreichen des Mindestalters in einem Kloster unter - sie hatten als uneheliche Kinder kaum Aussichten auf eine standesgemäße Heirat. Der Sohn wurde 1613 zu seinem Vater nach Florenz geschickt, nachdem Marina Gamba einen Mann namens Giovanni Bartoluzzi geheiratet hatte; Galilei legitimierte ihn später.
Weitere astronomische Entdeckungen und das Verfahren von 1616
Galilei setzte seine astronomischen Beobachtungen fort und fand, dass der Planet Venus Phasen wie der Mond hat. Dies konnte nur bedeuten, dass die Venus zeitweise jenseits der Sonne, zu anderen Zeiten aber zwischen Sonne und Erde steht. Darüber korrespondierte er mit den römischen Jesuiten um Christoph Clavius (mit dem er bereits 1587 eine kontroverse Diskussion geführt hatte), welche die Phasengestalt der Venus bereits unabhängig von ihm entdeckt hatten. Über die kosmologischen Konsequenzen - das Ptolemäische Weltbild war nicht länger haltbar - waren sich die Mathematiker und Astronomen der Gesellschaft Jesu mehr oder weniger im Klaren.
In seiner Begeisterung über seine wissenschaftlichen Erkenntnisse sandte er in seiner Werkstatt gefertigte Fernrohre an Freunde und andere Wissenschaftler. Jedoch erreichten nur wenige Exemplare das gewünschte Auflösungsvermögen. So konnte es geschehen, dass Manche die Jupitermonde etc. nicht erkennen konnten und ihm Täuschungsabsichten unterstellten. Im Jahr 1611 besuchte Galilei Rom, wurde für seine Entdeckungen hoch geehrt und machte mittels seines Teleskops seinen Freunden - darunter auch Jesuiten - unverzüglich "le cose nuove del cielo" (die neu[entdeckt]en Gegenstände am Himmel) zugänglich: den Jupiter mit seinen vier Begleitern, den gebirgigen, zerklüfteten Mond, die „gehörnte“ (d.h. sichelförmige) Venus und den „dreifachen“ Saturn. Er wurde zum sechsten Mitglied der Accademia dei Lincei ernannt; diese Ehre war ihm so wichtig, dass er sich fortan Galileo Galilei Linceo nannte.
Bei diesem Aufenthalt hatte er eine Audienz bei Papst Paul V. und er traf seinen alten Bewunderer Maffeo Barberini. Ein Jahr später war Barberini dabei, als Galileo eine weitere unhaltbare Behauptung des Aristoteles mit einem simplen, aber überzeugenden Experiment widerlegte: Eis schwimmt auf Wasser nicht deswegen, weil es (zwar schwerer, aber) flach ist, sondern weil es leichter ist.
Die Entdeckung der Sonnenflecken verwickelte ihn in eine Auseinandersetzung mit dem Jesuiten Christoph Scheiner: man stritt sich sowohl um die Priorität als auch um die Deutung. Um die Vollkommenheit der Sonne zu retten, nahm Scheiner an, dass die Flecken Satelliten seien, wogegen Galilei die Beobachtung anführte, dass Sonnenflecken entstehen und vergehen (Lettere solari, 1613, erstmals nicht in lateinischer Sprache, sondern im Volgare, der Umgangssprache der Toskana, verfasst).
Für Galilei war es offensichtlich, dass seine astronomischen Beobachtungen das heliozentrische Weltbild des Nikolaus Kopernikus stützten, aber keinen zwingenden Beweis lieferten: sämtliche Beobachtungen (etwa die Venus-Phasen) waren auch mit dem Modell des Tycho Brahe kompatibel, in dem sich Sonne und Mond um die Erde, die übrigen Planeten aber um die Sonne drehen. (Tatsächlich gelang es erst James Bradley im Jahr 1729 mit der stellaren Aberration die Eigenbewegung der Erde gegenüber der Fixsternsphäre nachzuweisen.) Galilei hielt sich bei der Interpretation seiner astronomischen Beobachtungen zunächst zurück. Gegen das Kopernikanische System sprachen immerhin Bibelstellen, aus denen auf eine Eigenbewegung der Sonne geschlossen werden musste (am wichtigsten die Stelle, in der Josua der Sonne befiehlt, stillzustehen [Jos. 10, 12]). Jedoch war ihm - wohl schon in seiner Zeit in Pisa - der Gedanke gekommen, die "Umschwünge" (revolutiones) der Erde um ihre Achse und um die Sonne seien die Ursache für die Gezeiten: die Gewässer würden dabei beschleunigt und hin- und herbewegt. Damit glaubte er, einen Beweis für das kopernikanische Weltbild in Händen zu haben (erst Newton zeigte, dass nicht die Zentrifugalkraft, sondern die Anziehungskräfte der Massen von Mond und Sonne für Ebbe und Flut ursächlich sind).
Kontroverse Diskussionen am Florentiner Hof veranlassten Galilei dann doch, zu erklären, dass eine mit dem Kopernikanischen System verträgliche Bibelauslegung möglich sei (Brief an seinen Schüler und Nachfolger in Pisa, Benedetto Castelli, 21. Dezember 1613 [http://www.liberliber.it/biblioteca/g/galilei/lettere/html/lett11.htm Originaltext]; Brief an die Großherzogin-Mutter Christine von Lothringen, 1615 [http://www.liberliber.it/biblioteca/g/galilei/lettere/html/lett14.htm Originaltext], jedoch erst 1636 veröffentlicht). Der Brief an Castelli wurde in fehlerhafter Abschrift der Inquisition zugespielt, was Galilei veranlasste, eine korrekte Abschrift hinterherzusenden und in Person nach Rom zu reisen, um seinen Standpunkt zu vertreten.
Im März 1614 gelang es Galilei, das spezifische Gewicht der Luft als ein 660stel des Gewichts des Wassers zu bestimmen - herrschende Meinung war bis zu diesem Zeitpunkt, dass Luft keinerlei Gewicht hat. Dies war eine weitere Widerlegung aristotelischer Anschauungen. In dieser Zeit war er häufig als Gutachter für den Großherzog in technisch-physikalischen Fragen tätig; als Forscher beschäftigte er sich insbesondere mit Hydrodynamik, Lichtbrechung in Glas und Wasser sowie Mechanik (Beschleunigung).
In den Jahren 1610-1614 hielt er sich häufig auf dem Landgut seines Freundes Salviati auf, um seine seit Jahren angeschlagene Gesundheit wiederherzustellen.
Im Jahr 1615 veröffentlichte der Kleriker Paolo Antonio Foscarini (c. 1565-1616) ein Buch, das beweisen sollte, dass die Kopernikanische Astronomie nicht der Heiligen Schrift widersprach. Daraufhin eröffnete die Römische Inquisition nach Vorarbeit des bedeutenden Kirchenlehrers Kardinal Robert Bellarmin ein Untersuchungsverfahren. 1616 wurde Foscarinis Buch gebannt. Zugleich wurden einige nichttheologische Schriften über Kopernikanische Astronomie, darunter auch ein Werk von Johannes Kepler, auf den Index gesetzt. Das Hauptwerk des Kopernikus, De Revolutionibus Orbium Coelestium, in dessen Todesjahr 1543 erschienen, wurde nicht verboten, sondern „suspendiert“: es durfte fortan bis 1822 im Einflussbereich der Römischen Inquisition nur noch in Bearbeitungen erscheinen, die betonten, dass das heliozentrische System ein bloßes mathematisches Modell sei.
An diesem Verfahren (es war kein Inquisitionsprozess) war Galilei offiziell nicht beteiligt. Seine Haltung war jedoch ein offenes Geheimnis, auch wenn das Schreiben an die Großherzogin-Mutter (noch) nicht veröffentlicht war. Wenige Tage nach der förmlichen Index-Beschlussfassung schrieb Bellarmin an Galilei einen Brief mit der Versicherung, Galilei habe keiner Lehre abschwören müssen; gleichzeitig jedoch enthielt dieses Schreiben die nachdrückliche Ermahnung, das Kopernikanische System in keiner Weise als Tatsache zu verteidigen, sondern allenfalls als Hypothese zu diskutieren. Dieser Brief wurde im Prozess von 1632/33 als Beweis für Galileis Ungehorsam zitiert. Allerdings gab es in den Akten zwei verschiedene Fassungen, von denen nur eine korrekt unterschrieben und zugestellt war, weshalb im 19. und 20. Jahrhundert einige Historiker annahmen, die Inquisitionsbehörde habe zuungunsten Galileis einen Beweis gefälscht.
Galilei hielt sich von nun an in der Öffentlichkeit mit dem Kopernikanischen System zurück. Ab 1616 beschäftigte er sich intensiv mit der Möglichkeit, die Bewegungen der Jupitermonde als Zeitmesser zu nutzen, um das Längengradproblem zu lösen (erfolglos). Er konvertierte das Teleskop erstmals in ein Mikroskop; die Mikroskopie blieb für ihn aber eine Beschäftigung niedriger Priorität.
Der Dialog über die zwei Weltsysteme und der Inquisitionsprozess von 1633
Mikroskop
1623 wurde Galileis alter Förderer, Kardinal Maffeo Barberini, zum Papst gewählt (Urban VIII.). Galilei widmete ihm sogleich seine Schrift Saggiatore, eine Polemik gegen den Jesuitenpater Orazio Grassi über die Kometenerscheinungen von 1618/1619, über atomistische und methodologische Fragen. In diesem Buch, an dem er seit 1620 gearbeitet hatte, äußerte Galilei seine berühmt gewordene Überzeugung, die Philosophie (nach dem Sprachgebrauch der Zeit ist damit die Naturwissenschaft gemeint) stehe in dem Buch der Natur, und dieses Buch sei in mathematischer Sprache geschrieben: ohne Geometrie zu beherrschen, verstehe man kein einziges Wort. Seither gilt Galilei als Begründer der modernen, mathematisch orientierten Naturwissenschaften, gleichzeitig enthielt dies eine klare Absage an Alchemie und Astrologie.
Im Saggiatore interpretierte er die Kometen als erdnahe optische Effekte (vergleichbar Phänomenen wie der Regenbogen oder das Nordlicht), darin auf eine Theorie des Aristoteles über Meteore zurückgreifend. Zur Zeit der Kometenerscheinungen war Galilei allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, selbst Beobachtungen anzustellen. Seine empirisch nicht fundierte Polemik gegen die Theorie der Kometen, die Tycho Brahe und Orazio Grassi vertraten, ist als indirekte Verteidigung des kopernikanischen Systems zu verstehen, das durch die Annahme sich nicht auf Kreisbahnen bewegender Himmelskörper bedroht gewesen wäre.
Mit dieser Polemik belebte Galilei die alte Feindschaft mancher Jesuiten. Eine der Folgen war eine anonyme Anzeige des Saggiatore wegen Atomismus und damit Verstoß gegen die das Abendmahl betreffenden Dogmen des tridentischen Konzils. Unter Zuhilfenahme eines Gefälligkeitsgutachtens Pater Giovanni Guevaras ließen die Gönner Galileis im Vatikan diese Anzeige versanden. Der Wissenschaftshistoriker Pietro Redondi vermutet deshalb, dass auch dem Prozess 1633 eine Anzeige wegen Atomismus und damit häretischen Ansichten bezüglich des Abendmahls zugrundeliegt, die jedoch durch Intervention der eigens geschaffenen päpstlichen Untersuchungskommission auf die weit weniger brisante Frage des Kopernikanismus bzw. des Ungehorsams abgelenkt wurde.
1624 reiste Galilei nach Rom und wurde sechs Mal von Barberini-Urban empfangen, der ihn ermutigte, über das Kopernikanische System zu publizieren, solange er dieses als Hypothese behandle; den Brief von Bellarmin an Galilei aus dem Jahr 1616 kannte Barberini damals nicht. Nach langen Vorarbeiten und wieder unterbrochen durch Krankheiten vollendete Galilei 1630 den Dialogo di Galileo Galilei sopra i due Massimi Sistemi del Mondo Tolemaico e Copernicano (Dialog über die zwei wichtigsten Weltsysteme, das Ptolemäische und das Kopernikanische). In diesem Buch erklärte Galilei unter anderem sein Relativitätsprinzip und seinen Vorschlag zur Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit (die erste präzise Messung der Lichtgeschwindigkeit auf der Erde gelang erst 1849 Fizeau.). Als vermeintlich stärkstes Argument für das Kopernikanische System diente ihm seine - irrige - Theorie der Gezeiten.
Im Mai 1630 reiste Galilei erneut nach Rom, um bei Urban VIII. und Niccolò Riccardi, dem für die Zensur verantwortlichen Inquisitor, eine kirchliche Druckerlaubnis (Imprimatur) zu erwirken. Er erhielt auch eine vorläufige Druckerlaubnis. Zurück in Florenz entschied Galilei jedoch aus verschiedenen Gründen, unter anderem weil der Herausgeber (Fürst Cesi, Gründer der Accademie dei Lincei) verstorben war und wegen einer Pestepidemie, sich mit einer Druckerlaubnis durch den Florentiner Inquisitor zu begnügen und das Werk in Florenz drucken zu lassen. Aufgrund verschiedener Schwierigkeiten, ausgelöst durch Riccardi, konnte der Druck aber erst im Juli 1631 beginnen; im Februar 1632 erschien der "Dialogo".
Der Zensurauflage, das Werk mit einer Schlussrede zugunsten des Ptolemäischen Systems zu beschließen, meinte Galilei nachzukommen, indem er diese Rede in den Mund des manifesten Dummkopfs Simplicio legte. Überdies beging er den Fehler, sich über einen Lieblingsgedanken Barberini-Urbans lustig zu machen: dass man eine Theorie niemals über die von ihr vorhergesagten Effekte nachweisen könne, da Gott diese Effekte jederzeit auch auf anderem Wege hervorbringen könne. Damit hatte Galilei den Bogen überspannt und die Protektion des Papstes verspielt, der - möglicherweise auch aus außenpolitischen Gründen - nun mit voller Härte reagierte.
Im Juli 1632 wies Riccardi den Inquisitor von Florenz an, er solle die Verbreitung des Dialogo verhindern. Im September bestellte der Papst Galilei nach Rom ein. Mit Bitte um Aufschub, ärztlichen Attests, Anreise und Quarantäne infolge der Pestepidemie verging jedoch der gesamte Winter. In Rom wohnte Galilei in der Residenz des toskanischen Botschafters. Anfang April 1633 wurde er offiziell vernommen und musste für 22 Tage ein Apartment der Inquisition beziehen. Am 30. April bekannte er in einer zweiten Anhörung, in seinem Buch geirrt zu haben, und durfte wieder in die toskanische Botschaft zurück. Am 10. Mai reichte er seine schriftliche Verteidigung, eine Bitte um Gnade, ein. Am 22. Juni 1633 fand der Prozess statt. Zunächst leugnete Galilei, auf die Dialogform seines Werkes verweisend, das kopernikanische System gelehrt zu haben. Ihm wurde der Bellarminbrief (welche Fassung, ist nicht bekannt) vorgehalten und er des Ungehorsams beschuldigt. Nachdem er seinen Fehlern abgeschworen, sie verflucht und verabscheut hatte, wurde er zu lebenslänglicher Haft verurteilt und war somit der Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen entkommen, die im Jahr 1600 an Giordano Bruno vollzogen, im Falle Galileis aber von keiner Seite angestrebt worden war. Dass Galilei überhaupt verurteilt wurde, war unter den zuständigen zehn Kardinälen durchaus strittig; drei von ihnen (darunter Francesco Barberini, der Neffe des Papstes) unterschrieben das Urteil nicht.
Galilei selbst hielt an seiner Überzeugung fest. Die Behauptung, der zufolge er beim Verlassen des Gerichtssaals gemurmelt haben soll, "Eppur si muove" (und sie (die Erde) bewegt sich doch), ist historisch nicht belegt und äußerst unwahrscheinlich; sie wurde jedoch schon zu seinen Lebzeiten verbreitet, wie ein spanisches Gemälde von ca. 1643/45 beweist. Diese Worte wurden erstmalig 1757 in den "Italian Libraries" von einem Giuseppe Baretti, einem Anhänger Galileis, erwähnt.
Galilei machte sich die Verteidigung seines Weltbildes zum Teil selbst schwer: Er vertrat die Überzeugung, dass die Planeten sich auf Kreisbahnen um die Sonne bewegten, statt der von Kepler, mit dem er in Briefkontakt stand, beschriebenen Ellipsen. Keplers Erklärungskonzept der Planetenbewegung lehnte er ab, obwohl es praktisch alle Ungereimtheiten zwischen Beobachtung und heliozentrischem Weltbild beseitigte. Zur Rettung seines Konzepts der Kreisbahn nahm Galileo in Kauf, dass das Konzept der sonnenzentrierten Kreisbahnen die beobachtete Position des Planeten Mars wesentlich schlechter voraussagte als das komplizierte geozentrische System des Ptolomaios mit seinen Epizyklen. D.h. das ptolemäische System stand beim Mars in besserem Einklang mit der beobachteten Realität als Galileis. Bei den Sonnenflecken kam hinzu, dass die Sonne nach 1610 für fast 40 Jahre in ein extremes Aktivitätsminimum fiel. in dem es so gut wie keine beobachtbaren Sonnenflecken mehr gab. D.h. durch diese Laune der Natur konnte Galilei keine Belege mehr für seine Beobachtungen liefern. Zudem diskutiert er in seinem Dialog wohlweislich nicht das Weltsystem von Tycho Brahe, das Sonne, Mond, Jupiter und Saturn sich um die Erde, dagegen Merkur, Venus und Mars sich um die Sonne drehen lässt. Dieses ziemlich komplizierte, modifizierte geozentrische Weltbild stand ebenfalls nicht in Widerspruch zu den Beobachtungen.
Hausarrest 1633–1642 und die Discorsi
Galilei wurde unter Arrest gestellt. Nach wenigen Wochen (in der Botschaft des Herzogtums Toscana in Rom) wurde er in die Aufsicht des Erzbischofs von Siena gestellt, der allerdings ein glühender Bewunderer Galileis war und ihn nach Kräften unterstützte. In Siena konnte er seine tiefe Niedergeschlagenheit über den Prozess und seinen Ausgang überwinden. Nach fünf Monaten (Dezember 1633) durfte er in seine Villa „Gioiella“ in Arcetri zurückkehren, blieb jedoch unter Hausarrest, verbunden mit dem Verbot jeglicher Lehrtätigkeit. Als er wegen eines schmerzhaften Leistenbruchs um Erlaubnis bat, Ärzte in Florenz aufsuchen zu dürfen, wurde sein Gesuch abgelehnt mit der Warnung, weitere solche Anfragen würden zu seiner Einkerkerung führen. Gemäß dem Urteil hatte er wöchentlich die sieben Bußpsalmen (über drei Jahre lang) zu beten (diese Verpflichtung übernahm – solange sie noch lebte – seine Tochter Suor Celeste), und seine sozialen Kontakte wurden stark eingeschränkt. Immerhin war es ihm gestattet, mit seinen weniger kontroversen Forschungen fortzufahren und seine Töchter im Kloster San Matteo zu besuchen. Sämtliche Veröffentlichungen waren ihm verboten, jedoch führte er einen ausgedehnten Briefwechsel mit Freunden und Gelehrten im In- und Ausland und konnte später zeitweilig Besucher empfangen (darunter Thomas Hobbes und John Milton, ab 1641 seinen ehemaligen Schüler Benedetto Castelli).
Galilei hatte seit längerem Probleme mit seinen Augen; 1638 erblindete er vollständig – möglicherweise eine Folge seiner anfangs ohne ausreichenden Schutz unternommenen Sonnenbeobachtungen. Jedoch entdeckte er noch kurz vor dem völligen Verlust seiner Sehkraft die Libration des Mondes. Ein Gnadengesuch auf Freilassung wurde abgelehnt. Seine letzten Jahre verbrachte er in seinem Landhaus in Arcetri.
Ab dem Juli 1633 - noch in Siena - hatte Galilei an seinem physikalischen Hauptwerk Discorsi e Dimostrazioni Matematiche intorno a due nuove scienze gearbeitet. Obwohl das Inquisitionsurteil kein explizites Publikationsverbot enthielt, stellte sich eine Veröffentlichung im Einflussbereich der katholischen Kirche als unmöglich heraus. Eine lateinische Übersetzung der Discorsi erschien 1635 bei Matthias Bernegger in Straßburg, das italienische Original 1636 bei Louis Elsevier in Leiden.
Inhaltlich griff Galilei in den Discorsi Ansätze und Ergebnisse aus seinen frühen Jahren wieder auf. Die beiden neuen Wissenschaften, die Galilei darin begründet, sind in moderner Sprache Elastizitätstheorie und Kinematik. Er wies unter anderem nach, dass die bogenförmige Bewegung eines Geschosses aus zwei Komponenten besteht: die horizontale wird von der Trägheit bestimmt, die nach unten gerichtete dagegen von stetiger Beschleunigung. Das Zusammenwirken beider führt zu einer parabelförmigen Flugbahn.
Im Spätherbst 1641 löste der begabte Evangelista Torricelli seinen langjährigen (seit 1637) Begleiter Vincenzo Viviani als Assistent und Privatsekretär ab, doch war bereits klar, dass Galilei nicht mehr lang zu leben hatte. Er starb am 8. Januar 1642 in Arcetri. Ein feierliches Begräbnis in einem prunkvollen Grab, das der Großherzog vorgesehen hatte, wurde unterbunden.
Vincenzo Viviani
Galileo und die Kirche
Landläufig wird die Politik der Amtskirche Galileo gegenüber als Ausdruck einer ihr angeblich inhärenten Wissenschafts- und Fortschrittsfeindlichkeit verstanden. Diese Sicht kann jedoch auch hinterfragt werden. Zu Galileis Zeit war die Hierarchie bereits gespalten. Die Überlegenheit der neuen Wissenschaften war für die Päpste und Kardinäle nicht weniger offensichtlich als für ihre Gegner. Andererseits mußten sie, nachdem es ihnen gerade erst gelungen war, im Kampf gegen die Reformation mithilfe der Dominikaner- und Jesuitenorden ihren Einfluss in Italien wieder zu festigen, die Förderung der Wissenschaften in Großbritannien, Holland und Deutschland als fortdauernde Angriffe auf die Erklärungshoheit ihrer Institutionen - des dekretierten Consensus patrum - deuten. Im Abwehrkampf gegen die heraufziehende Aufklärung sahen sie sich zu aus heutiger Sicht starrsinnigem Beharren auf dem Althergebrachten gezwungen. Gott begründet den Erdkreis unbeweglich... (1.Chronik 16,30).
Gleichzeitig gab es schon damals mächtige kirchliche Stimmen, die sich von der wörtlichen Auslegung der Schrift entfernt hatten und die Argumentation, Glauben und Wissenschaft seien getrennte Sphären, akzeptiert hatten. Z.B. schrieb Kardinal Bellarmin, ein bedeutender Theologe und zentrale Persönlichkeit der Kurie und Inquisition, dass man, läge ein wirklicher Beweis für das heliozentrische System vor, bei der Auslegung der heiligen Schrift in der Tat vorsichtig vorgehen müsse. Galileo meinte, mit seiner Gezeitentheorie über einen solchen Beweis zu verfügen. Es scheint, dass Galilei mehr Unterstützung hätte bekommen können, wenn sein Auftreten dem Klerus gegenüber nur bescheiden genug gewesen wäre. Ausdruck der kirchlichen Ambivalenz ihm gegenüber ist die recht milde Ermahnung von 1616, Galilei sei im "Irrtum des Glaubens" und möge darum "von einer Verbreitung des kopernikanischen Weltbildes absehen".
Erst nachdem Galilei 1632 mit dem Dialogo wieder für das kopernikanische Weltbild polemisierte, und die ersten Exemplare auch noch an seine erklärten Gegner (z.B. dem Inquisitor Serristori) schickte, wurde ein formales Verfahren gegen ihn eröffnet. Auch jetzt noch war das Klima - verglichen mit anderen Ketzerprozessen, die zu Folter und Scheiterhaufen führten - freundlich und das Urteil milde. Nachdem Galilei geschworen hatte, ...stets geglaubt zu haben, gegenwärtig zu glauben und in Zukunft mit Gottes Hilfe glauben zu wollen alles das, was die katholische und apostolische Kirche für wahr hält, predigt und lehret, erhielt er "lediglich" Kerkerhaft, die bereits nach wenigen Wochen in Hausarrest umgewandelt wurde.
Die Tragik von Galileos Wirken liegt darin, dass er - als ein zeitlebens tiefgläubiges Mitglied seiner Kirche - den Versuch unternahm, ebendiese Kirche vor einem verhängnisvollen Irrtum zu bewahren. Seine verschiedenen Aufenthalte in Rom bis zum Jahr 1616 hatten auch den Zweck, Männer (wie Bellarmin) davon zu überzeugen, dass die Peripatetiker nicht unfehlbar waren und die Heilige Schrift nicht immer buchstabengetreu gelesen werden müsse. Auch war Galilei der Überzeugung, die wunderbaren Werke des Herrn durch Experiment und Logik (früher oder später) vollständig klären zu können; Barberini-Urban dagegen blieb bei seiner Meinung, dass die vielfältigen Naturerscheinungen, die der Allmächtige bewirkt, sich dem beschränkten Verstand der Menschen für immer entziehen – womit er sich in bester Gesellschaft befand (Albert Einstein: "Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten (sc. Gottes) bringt sie uns kaum näher.").
Nachgeschichte, Nachruhm
Der Inquisitionsprozess gegen Galilei hat zu endlosen historischen Kontroversen und zahlreichen literarischen Bearbeitungen angeregt; unter anderem in Bertolt Brechts Leben des Galilei.
1741 gewährte das Heilige Offizium - d.h. die Inquisition - auf Bitte Benedikts XIV. das Imprimatur auf die erste Gesamtausgabe der Werke Galileis. Unter Pius VII. wurde 1822 erstmals ein Imprimatur auf ein Buch erteilt, das das Kopernikanische System als physikalische Realität behandelte - der Autor, ein gewisser Settele, war Kanoniker. Für Nicht-Kleriker war das Interdikt wohl längst belanglos geworden.
1979 beauftragte Johannes Paul II. die Päpstliche Akademie der Wissenschaften, den berühmten Fall aufzuarbeiten. Am 31. Oktober 1992 wurde der Kommissionsbericht übergeben, und hielt Johannes Paul II. eine Rede, die oft verkürzt als eine bloße Entschuldigung dargestellt wird; tatsächlich ging es dem Papst darum, das gegenseitige Missverstehen von Wissenschaft und Kirche zu heilen. Am 2. November 1992 wurde Galileo Galilei von der römisch-katholischen Kirche formal rehabilitiert.
Wissenschaftliche Leistungen
Methodisches
Galilei gehörte zu den ersten Wissenschaftlern, die die von Francis Bacon theoretisch eingeforderte experimentelle Methode befolgten (dies tat er jedoch, bevor Bacon seine Forderung veröffentlicht hatte); zugleich aber bestand Galilei auf einer streng mathematischen Beschreibung der Naturgesetze, wenn gleich er die uns heute geläufige algebraische Notation noch nicht verwendete. Galileis Überlegenheitsgefühl gegenüber Aristoteles gründete vielleicht primär darauf, dass er meinte, der bessere Mathematiker zu sein.
Kinematik
Die gleichmäßig beschleunigte Bewegung beschäftigte Galilei über vierzig Jahre lang. Seine experimentelle Innovation bestand in der Verwendung der schiefen Ebene, mit der er die Fallgesetze auf einer verlangsamten Zeitskala studieren und - über seinen Puls oder mit Wasseruhren - quantitativ überprüfen konnte.
In seinem frühen Manuskript De motu (1590, s.o.) vertrat er noch die Meinung, die Beschleunigung hänge von der Dichte ab. Später kam er dann zum Schluss, dass im Vakuum alle Körper die gleiche Beschleunigung erfahren. Im Zusammenhang mit dem Turmargument finden sich kinematische Überlegungen im Dialog über die zwei Weltsysteme; voll ausgearbeitet werden die Fallgesetze im dritten und vierten der vier Tage der Discorsi e Demonstrazioni von 1636/38.
Eng damit zusammen hängt das Relativitätsprinzip, das in der modernen Physik Galilei-Invarianz genannt wird und besagt, dass ein gleichmäßig bewegter Beobachter die gleichen physikalischen Gesetze wahrnimmt wie ein ortsfester. Galilei kam bei seinen Schlussfolgerungen dem ersten Bewegungsgesetz Isaac Newtons recht nahe, das zweite nahm er in gewisser Weise bereits vorweg (was Newton später selbst zugab).
Neuere wissenschaftsgeschichtliche Arbeiten betonen, dass Galilei mit seinen Forschungen zur Kinematik nicht alleine stand; mit dem Thema befassten sich unter anderem Alessandro Piccolomini, Niccolò Tartaglia, Giovan Battista Benedetti, Francesco Maurolico, Bernardino Baldi, Guidubaldo del Monte, Michael Varro (De motu, Genf 1584) und Francesco Buonamicida (De motu, Florenz 1591).
Christiaan Huygens entwickelte später seine Idee einer von einem Pendel gesteuerten Uhrmechanik zur Praxisreife.
Elastizitätstheorie
Wie aus dem Titel der discorsi hervor geht, veröffentlichte Galilei seine Ergebnisse über die Elastizität eines Balkens mit dem vollen Bewusstsein, damit eine neue Wissenschaft zu begründen. Die weitere Entwicklung hat ihm Recht gegeben; sein Beitrag kann tatsächlich als Begründung der Elastizitätstheorie gelten.
Galilei stellte fest, dass die Tragfähigkeit eines Balkens größer ist, wenn man ihn hochkant, nicht flachkant stellt. Er setzte als erster die äußere Belastung in Relation zu den inneren Spannungen. Eine quantitative Theorie konnte er allerdings noch nicht aufstellen. Die heute Neutralfläche genannte Menge aller Drehachsen ordnete er am unteren Rand des eingespannten Balkens statt in der Mitte des Balkenquerschnittes an. Korrekturen dieses Irrtums konnten sich im 17. und 18. Jahrhundert nicht durchsetzen; erst Anfang des 19. Jahrhundert sorgte Navier erfolgreich für eine Richtigstellung.
Astronomie
Galileis astronomische Entdeckungen sind im biografischen Teil bereits ausführlich gewürdigt worden. Huygens erkannte, dass hinter der „Dreigestalt“ des Planeten Saturn tatsächlich ein Ring steckt. Galileis Versuche, mittels der Jupitermonde das Längenproblem zu lösen, setzte Ole Römer fort (auch er hier erfolglos), der dabei jedoch „nebenbei“ die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes (grob) ermittelte. Die erste präzise Messung der Lichtgeschwindigkeit auf der Erde gelang erst 1849 Fizeau.
Vermischte Erfindungen
Mehrere von Galileis Erfindungen sind heute nur in seinen Aufzeichnungen und Skizzen erhalten. Er zeichnete unter anderem Skizzen von Geräten wie einer Kombination aus Kerze und Spiegel, um damit das Licht durchs ganze Haus leiten zu können, einen automatischen Tomatenpflücker, einen Taschenkamm, der auch als Besteck verwendet werden konnte und eine Art Vorläufer des Kugelschreibers. Der von ihm entwickelte Temperaturmesser wurde von Fahrenheit (1714) entscheidend verbessert.
Galilei als Schriftsteller
Revolutionär war nicht nur, dass Galilei in der Volkssprache Italienisch publizierte, sondern auch wie: Galilei schrieb ein vorbildlich schönes Italienisch, das stilbildend auf die wissenschaftliche Prosa gewirkt hat.
Galileis wissenschaftliche Werke
Galilei veröffentlichte seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in den folgenden Hauptwerken (weitere Werke, die heute von vornehmlich biografischem Interesse sind, werden in der Biografie genannt):
- Sidereus nuncius, 1610 deutsch: Nachricht von neuen Sternen, Frankfurt a. M. 1965
- Saggiatore (Prüfer mit der Goldwaage), 1623
- Dialogo sopra i due massimi sistemi, Florenz 1632 deutsch: Dialog über die beiden hauptsächlichen Weltsysteme, Leipzig 1891
- Discorsi e dimostrazioni matematiche, Leiden 1638 deutsch: Unterredung und mathematische Demonstration über zwei neue Wissenszweige die Mechanik und die Fallgesetze betreffend, Leipzig 1890
Nach Galilei benannt sind:
- im cgs-System die Einheit für die Erdbeschleunigung „Gal“;
- ein Krater auf dem Mond;
- die Raumsonde Galileo, gebaut zur Erforschung des Planeten Jupiter;
- das zukünftige Satellitennavigationssystem Galileo;
- eine populärwissenschaftliche Fernsehsendung namens Galileo.
- eine dimensionslose Kennzahl der Strömungsmechanik (Galilei-Zahl)
Literatur
Quellenausgaben
- Schriften, Briefe, Dokumente. (Hg. Anna Mudry), München 1987
- Pietro Redondi: Galilei - der Ketzer, München 1989 (Darstellung des Inquisitionsprozesses von 1633; mit z.T. erstmals veröffentlichten Dokumenten), ISBN 3-406-33981-6
Biografien
- Pascual Jordan: Galileo Galilei, in: Die Großen der Weltgeschichte, herausgegeben von Kurt Fassmann, Zürich 1974, Band 5: Calvin bis Huygens, S. 468-491 (Kurzbiografie)
- Drake, Stillman: Galileo At Work. Chicago: University of Chicago Press, 1978, ISBN 0-226-16226-5; auf Deutsch: Freiburg 2004, ISBN 3-926642-38-6
- Biagioli, Mario: Galilei, der Höfling. Entdeckung und Etikette: Vom Aufstieg der neuen Wissenschaft. Frankfurt a.M.: Fischer Verlag, 1999, ISBN 3-10-009628-2
Interpretationen
- Bertolt Brecht: Das Leben des Galilei, (Dänemark, 1938/39)ISBN 3518100017. In der 8. Szene bringt Galilei das Problem von wissenschaftlicher Forschung und theologischer Deutungshoheit mit einem berühmt gewordenen Aperçu auf den Punkt: "Die Winkelsumme im Dreieck kann nicht nach den Bedürfnissen der Kurie abgeändert werden."
- Arthur Koestler: Die Nachtwandler. Das Bild des Universums im Wandel der Zeit, Bern - Stuttgart - Wien 1959 (als Suhrkamp-Tb. Bd. 579, Frankfurt 1988) ISBN 3-518-37079-0
- Paul Feyerabend: Wider den Methodenzwang. Frankfurt 2001 ISBN 3518281976
- Alexandre Koyré: Leonardo, Galilei, Pascal, Berlin 1994 ISBN 3-8031-5145-7
- Eine überraschende Deutung zu Galileis Entdeckung der Jupitermonde findet sich in der Geschichte von Andreas Venzke: Der Blick auf eine neue Welt - Galileo Galilei und die moderne Wissenschaft (In: Weltgeschichte in Geschichten, Würzburg 2004, S. 97-104 ISBN 3-401-05442-2)
Siehe auch: John Thomas Scopes
Filme
- 1947 verfilmten in den USA Ruth Berlau und Joseph Losey die Broadway-Aufführung von Brechts „Leben des Galileo“ mit Charles Laughton in der Titelrolle. Es handelt sich um einen Schwarz-weiß-Stummfilm von 30 Minuten Dauer.
- In einer deutschen Fernsehverfilmung nach Brecht, „[http://german.imdb.com/title/tt0339286/combined Leben des Galilei]“ (1962) unter der Regie von Egon Monk, spielte Ernst Schröder den Galilei. Mit 150 Minuten Spiellänge ist das die bisher längste Umsetzung des Stoffes im Fernsehen.
- In der 76 minütigen amerikanischen Fernsehverfilmung [http://german.imdb.com/title/tt0197613/combined Lamp at Midnight] (1966), die nicht auf Brecht beruht, wurde Galilei von Melvyn Douglas gespielt.
- 1975 führte Joseph Losey Regie in „[http://german.imdb.com/title/tt0073029 Galileo]“ (USA), einem Spielfilm, der wiederum auf Brechts Stück beruht. Chaim Topol spielte den Gelehrten in dem 145 Minuten dauernden Eastmancolor-Film.
Weblinks
-
Überblicksseiten:
- [http://www-gap.dcs.st-and.ac.uk/~history/Mathematicians/Galileo.html Biografie auf Englisch]
- [http://www.crystalinks.com/galileo.html eine weitere Biografie auf Englisch]
- [http://www.ethbib.ethz.ch/exhibit/galilei/galileo_frame.html Virtuelle Ausstellung der Bibliothek der ETH Zürich]
- [http://galileo.rice.edu/ Galileo-Projekt der Rice-Universität]
Primärtexte:
- [http://www.liberliber.it/biblioteca/g/galilei/ Galileis Schriften als Online-Texte im italienischen Original]
- [http://echo.mpiwg-berlin.mpg.de/content/scientific_revolution/galileo Manuskripte von Galileo Galilei] De motu, MS 72
- [http://archimedes2.mpiwg-berlin.mpg.de/archimedes_templates Archimedes-Projekt] Quellen zur Geschichte der Mechanik
Laufende Forschung:
- [http://moro.imss.fi.it:9000/galilaeana/index.html Galileana] Internationale Zeitschrift für Galilei-Forschungen, begründet 2004
Sichtweise der katholischen Kirche
- [http://www.stjosef.at/dokumente/papst_galilei.htm Päpstliche Erklärung in deutscher Übersetzung]
- [http://www.catholic.net/RCC/Periodicals/Issues/GalileoAffair.html Würdigung aus katholischer Sicht]
- [http://www.akademieforum.de/grenzfragen/open/Grundlagen/Mu_NaturSinn/frame.htm H.-D. Mutschler: Naturwissenschaft und die Dispensierung der Sinnfrage - Der wahre Konflikt um Galilei]
- [http://www.erft.de/schulen/gymlech/galileo/galilei.htm Ausführlicher Aufsatz zum Konflikt zwischen Galileo Galilei und Kirche]
Galilei, Galileo
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simple:Galileo Galilei
th:กาลิเลโอ กาลิเลอี
Jan Amos Komenský
Johann Amos Comenius, manchmal auch Komenius, eigentlich tschechisch Jan Amos Komenský ( - 28. März 1592 in Südostmähren; † 15. November 1670 in Amsterdam), war ein Philosoph, Theologe und Pädagoge.
Leben
Geboren wurde Comenius als "Jan" entweder in Nivnice oder in Uherský Brod oder in Komňa in Ostmähren. Von 1608 bis 1611 studierte er am Gymnasium der Brüder-Unität in Přerov, wo er auch den Beinamen Amos annahm. Ab 1611 besuchte er das Gymnasium und die Hohe Schule Herborn, ab 1613 dann die Universität Heidelberg. An beiden schrieb er sich unter dem Namen Nivanus / Nivnicensis (d.h. von Nivnice) ein, der Name Komenský (den schon sein Vater trug) taucht erst 1623 und seine lateinische Form Comenius erst 1627 auf.
1614-1617 wirkte er als Lehrer an der Brüderschule in mährischen Přerov (Prerau). 1616 wurde er zum Priester der Brüder geweiht. 1618-1621 war er Pfarrer in Fulnek. Nach der Schlacht am Weißen Berg (1621) hielt er sich versteckt und musste schließlich 1628 das Land verlassen. Er ließ sich in Lissa in Polen nieder. 1641-1642 unternahm er eine wichtige Reise nach England. 1642 kehrte er über die Niederlande, Deutschland und Schweden ins von Schweden kontrollierten Elbing zurück. Dort war er seit 1644 Professor des Elbinger Gymnasiums und unternahm mehrere Reisen nach Deutschland und Schweden. 1648 wurde er zum ersten Bischof der Brüder-Unität ernannt und kehrte dann nach Lissa zurück. In Lissa heiratete er 1649 zum dritten Mal.
1650 fuhr er dann auf Einladung der in Siebenbürgen regierenden Rákóczis (mit zahlreichen Aufenthalten in Mähren und der Slowakei) nach Sárospatak (damals zu Siebenbürgen). In Sárospatak war er mit der Reformierung der fürstlichen lateinischen Schule beauftragt. Nach dem Tod des Fürsten Sigismund Rákóczi (1652) musste Comenius allerdings Siebenbürgen wieder verlassen und kehrte 1654 über die Slowakei und Schlesien nach Lissa zurück, wo er bis zur Zerstörung der Stadt durch polnische Soldaten im Jahr 1656 blieb.
Danach lebte er bis zu seinem Tode in Amsterdam. Gestorben ist er entweder am 15. November oder am 25. November, der 15. ist wahrscheinlicher (der Unterschied ergibt sich daraus, dass in der Gegend damals sowohl der gregorianische, als auch der julianische Kalender verwendet wurde). Sieben Tage später wurde er am 22. November 1670 in Naarden begraben.
Ansichten
Im Mittelpunkt seiner Pädagogik steht eine christlich humanistische Lebensgestaltung. Ein philosophischer Grundsatz seiner Pädagogik lautet: "Omnes, omnia, omnino" (lat.), das heißt: "Alle Menschen sollen alle Dinge der Welt vollständig erlernen dürfen". Comenius forderte nicht nur zwangsfreien Unterricht, sondern er lehnte Zwang in jeder Hinsicht ab. Das zeigt das Motto auf der Titelseite seines "Orbis sensualium pictus": "Omnia sponte fluant, absit violentia rebus" (lat.) das heißt: "Alles fließe aus eigenem Antrieb, Gewalt sei fern den Dingen". Comenius sah Bildung der heranwachsenden Menschen zur Weisheit als den rettenden Weg, auf dem die Menschheit aus ihren verderblichen Irrtümern zurückfinde zu der Ordnung der Welt, wie Gott sie vorgesehen habe.
Als Lernprinzipien stellte er Lernen durch Tun, Anschauung vor sprachlicher Vermittlung, Muttersprache vor Fremdsprache, Beispiel (Vorbild) vor die Worte.
In seinen didaktischen Werken forderte Comenius allgemeine Reform des Schulwesens mit einer Schulpflicht für Jungen und Mädchen aller Stände mit einer einheitlichen Schulausbildung bis zum 24. Lebensjahr, Anschaulichkeit und Strukturierheit des Unterrichts, Bezug des Unterrichts zum Alltag, Anschaulichkeit im Unterricht und vieles mehr. Viele Prinzipien sind auch heute ein Bestandteil des Bildungssystems.
Comenius ist der Begründer der Didaktik. Er entwickelte die erste systematisch aufgebaute Didaktik der Neuzeit.
Werk
Didaktik
Seine bekanntesten Werke sind Janua Linguarum Reserata (Die geöffnete Sprachenpforte), die erstmals Sachunterricht und (lateinischen) Sprachunterricht verknüpfte und in 12 europäische und auch mehrere asiatische Sprachen übersetzt wurde, und der Orbis sensualium pictus (Die sichtbare Welt in Bildern), die illustrierte Version der Janua, der "Ahnherr aller Kinderbilderbücher". Es war nicht nur das erste illustrierte Kinderbuch, es war zugleich auch die erste Enzyklopädie für Kinder.
Sein pädagogisches Hauptwerk ist die Didactica magna (Große Unterrichtslehre), eine der wichtigsten Schriften in der Geschichte der Didaktik.
Es folgt eine fast komplette Liste seiner Werke:
- Problemata miscellanea (1612) - eine philosophische Abhandlung
- Grammaticae facilioris praecepta (1616) - Grammatik-Handbuch, heute verloren
- Divadlo veškerenstva věcí (1616) - ein nicht vollendetes Programm für die erste tschechische Enzyklopädie
- Retuňk proti Antikristu a svodům jeho (1617-18) - eine Schrift gegen den Papst
- Listové do nebe (1619) - eine Kritik der sozialen Ungerechtigkeit
- O poezii české (1620) - Abhandlung
- Přemyšlování o dokonalosti (1622) - eine seiner verlassenen Frau gewidmete Trostschrift
- Nedobytelný hrad jméno Hospodinovo (1622) - Trostschrift
- Truchlivý (1622?-1651) - Trostschrift in drei Teilen
- Labyrint světa a ráj srdce (1623/1631) - Trostschrift
- O sirobě (1624) - Trostschrift
- Pres boží (1624) - Trostschrift
- Centrum securitatis čili hlubina bezpečnosti (1625) - Trostschrift
- Česká didaktika (1627-1632) - seine grundlegende pädagogische Schrift
- Informatorium školy materské (1630) - eine Anleitung zur Erziehung von Kindern im Kindergartenalter
- Ianua linguarum reserata (1631) - sein berühmtes Lateinlehrbuch
- Navržení krátké o obnově škol v království českém (1632) - ein Vorschlag zur Reform des tschechischen Schulwesens
- Haggaeus redivivus (1632) - eine Kritik der sozialen Unterdrückung und der Habsburger
- Pozoun milostivého léta (1632) - er drückt seine Hoffnung auf baldige Heimkehr nach dem Sieg Schwedens aus
- Vestibulum (1633) -Lateinlehrbuch
- Physicae synopsis (1633, Leipzig) - Physiklehrbuch
- Conatuum Comenianorum praeludia (1637, Oxford) - pansophische Schrift
- Prodromus pansophiae (1639, London) - pansophische Schrift
- Via lucis (1642 und 1668) - seine Ansichten zur Bildung und zum Schulwesen
- Pansophiae diatyposis (1643, Danzig) - pansophische Schrift
- Methodus linguarum novissima (1649) - ein sehr erfolgreiches Sprachenlehrbuch
- Historia persecutionum Ecclesiae Slavonicae (1647) - eine Aufforderung an europäische Protestanten den Tschechen zu helfen
- Kšaft umírající matky, Jednoty bratrské (1650) - Enttäuschung wegen des Westfalischen Friedens
- Independentia aeternarum confusionum origo (1650) - eine gegen die englischen Independenten gerichtete Schrift
- Schola pansophica (1651) - pansophische Schrift
- Sermo secretus Nathanis ad Davidem (1651) - eine an den Fürsten Sigismund Rákóczi gerichtete Aufforderung zum Kampf gegen die Habsburger
- Gentis felicitas (1659, Amsterdam) - eine Aufforderung zum Kampf gegen die Habsburger
- Schola ludus (1654) - eine Dramatisierung von Ianua linguarum reserata
- Panegyricus Carolo Gustavo (1655) - eine Aufforderung an den schwedischen König zu Reformen und Religionsfreiheit in Polen
- Opera didactica omnia (1657) - eine Zusammenfassung seiner pädagogischen Schriften in vier Teilen; darunter auch die Didactica magna - Komensky's wichtigste pädagogische Schrift
- Lux in tenebris (1657) - Übersetzung der Prophezeiungen von Kryštofer Kotter, Mikuláš Drabík und Kristina Poniatowska, die Aufforderungen zum Kampf gegen die Habsburger und gegen den Katholizismus enthalten
- Orbis sensualium pictus (1658, Nürnberg) - sein berühmtes Bilderbuch für den Sprachunterricht
- Kancionál (1659) - eine Sammlung religiöser Lieder
- Ecclesiae Slavonicae brevis historiola (1660, Amsterdam) - eine Geschichte der "slawischen Kirche"
- De rerum humanarum emendatione consultatio catholica (1662) - sein größtes Werk (auch "Konsulationen" genannt), eine philosophische Schrift in 7 Teilen (4 davon unvollendet)
- Lux e tenebris (1665) - eine Erweiterung von Lux in tenebris
- Clamores Eliae (1665-1670) -Sammlung von Komensky's Ideen zur Besserung der Welt
- Angelus pacis (1667) - eine Aufforderung zum Frieden
- Unum necessarium (1668) - eine Art Komensky's philosophisches Testament
- Continuatio admonitionis fraternae (1669) - Polemik mit einem seiner Widersacher
Gegenwartsbedeutung
Comenius kann als der große Pädagoge des 17. Jahrhunderts angesehen werden.Er gab der Pädagogik eine neue Richtung. Er ist der Erste, der die Pädagogik vom Kind her entwirft. Er sieht zwar nicht die Kindheit als eigenständige Phase, das Kind hat bei ihm noch keine Gegenwart, wie später bei Rousseau oder Montessori, sondern die Kindheit ist die Vorbereitung auf das spätere Leben als Erwachsener, welches dann wiederum die Vorbereitung auf das ewige Leben ist.
Dennoch richtet Comenius als einer der Ersten die Pädagogik methodisch, didaktisch und inhaltlich nach den unterschiedlichen Kindheitsphasen, zwar noch sehr grob strukturiert, aber immerhin differenzierter, als es bis dahin Usus war.
Seine Forderung nach einer grundlegenden, das Wesentliche umfassenden Allgemeinbildung für alle, nach bildungspolitischer Chancengleichheit für Mädchen, sozial Schwache und geistig Zurückgebliebene, die Prinzipien der Anschauung und der Selbstständigkeit, der Erziehung zum Gebrauch der eigenen Vernunft, seine Vorstellung einer lebensnahen freundlichen Schule und einer gewaltfreien Erziehung,sind bis zur heutigen Zeit gültig geblieben.Ebenso seine Erziehungsziele, die Erziehung des Menschen zur Menschlichkeit und die dadurch entstehende Weltverbesserung.
Seine Hoffnung auf eine humane Welt, auf Fortschritt und Verbesserung des menschlichen Lebens verbinden ihn mit der Neuzeit. Neuzeitlich sind auch seine Vorstellung von der zentralen Stellung des Menschen für den Erneuerungsprozess der Welt, bei ihm allerdings noch nicht losgelöst von Gottes Handeln.
Comenius ist eine Art Bindeglied zwischen der Renaissance und der Aufklärung.
Einerseits noch in der theologischen Tradition stehend, anderseits die Vernunft eines jeden Menschen, die Eigenverantwortung und Selbstständigkeit betonend.
Sekundärliteratur
Mitzlaff, Hartmut: Johann Amos Comenius' pansophischer Sachen-Unterricht. In: Kaiser, A./Pech, D. (Hrsg.): Geschichte und historische Konzeptionen des Sachunterrichts. Baltmannsweiler 2004, S. 41-46
Siehe auch
Neuaristotelismus - Ramismus - Lullismus
Weblinks
-
- [http://www.main.cz/konyvtar/komensky/orbis_aa0.htm eine lateinisch - deutsch - tschechisch - ungarische Ausgabe von orbis pictus vom 1685] alle 152 illustrierte Facsimilie-Seiten zum virtuellen Durchblättern
- [http://www.grexlat.com/biblio/comenius/ Orbis pictus]
- http://www.klassphil.uni-muenchen.de/~fachschaft/hausarbeiten/comenius.html
- [http://www.kmk.org/pad/sokrates2/sokrates/fr-sokrates.htm Europäisches COMENIUS/SOKRATES-Programm]
Comenius, Johann Amos
Comenius, Johann Amos
Comenius, Johann Amos
Comenius, Johann Amos
Comenius, Johann Amos
Comenius, Johann Amos
Comenius, Johann Amos
Comenius, Johann Amos
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ja:コメニウス
John LockeJohn Locke [] ( - 29. August 1632 in Wrington bei Bristol; † 28. Oktober 1704 in Oates (Essex)) war einer der Hauptvertreter des Empirismus, Vater der modernen Erkenntniskritik und Begründer des materialistischen Sensualismus. Er war ein Vorläufer der Quantitätstheorie und vertrat den Naturrechtsgedanken.
Naturrechtsgedanken
Überblick
Er verwarf die Vorstellung von angeborenen Ideen (lat. ideae innatae) und bezeichnete das anfängliche Bewusstsein als leer wie ein unbeschriebenes Blatt (tabula rasa), das erst durch Erfahrung gleichsam gefüllt wird. John Locke bildet zusammen mit George Berkeley (1684–1753) und David Hume (1711–1776) das große Dreigestirn der englischen Aufklärung und des aufkommenden Empirismus.
Der englische Philosoph erklärt in seinem politischen Hauptwerk „Two Treatises of Government“ (Zwei Abhandlungen über die Regierung) Freiheit, Gleichheit und Unverletzlichkeit von Person und Eigentum zu den höchsten Rechtsgütern.
Das Eigentum rechtfertige sich aus dem Selbsterhaltungsrecht: Der Mensch sei berechtigt, der Natur ein angemessenes Stück zu entnehmen und sich dieses durch Bearbeitung, also der Vermischung mit der eigenen Arbeit, anzueignen. Er selbst gibt als Beispiel die Aneignung eines vom Baum gefallenen Stückes Obst: Es gehört dem, der es aufgehoben hat, weil er es durch das Aufheben mit seiner Arbeit vermischt hat.
Das Eigentum ist bei Locke zunächst durch den persönlichen Gebrauch begrenzt: Man darf der Natur nicht mehr entnehmen, als man selbst verbrauchen kann. Es ist verboten (eine Sünde), sich Früchte der Natur anzueignen und sie dann, im ursprünglichen Sinn des Wortes, verderben zu lassen. Allerdings weist er in darauffolgenden Artikeln der zweiten Abhandlung einen Weg aus dieser Beschränkung. Es ist nämlich in einer ersten Stufe erlaubt, verderbliche Gaben der Natur gegen weniger verderbliche einzutauschen, also beispielsweise Äpfel gegen Nüsse. Man darf mehr Nüsse besitzen, als man aktuell braucht, solange diese nicht verderben. Über diesen Zwischenschritt erlaubt er es dann auch, Naturprodukte, die man sich angeeignet hat, gegen Geld, d. h. Gold oder Silber zu tauschen. Da Geld nicht verdirbt, und das ist der springende Punkt, darf man sich davon so viel aneignen wie man will und kann. Damit knackt Locke die im älteren Naturrecht entwickelte und aufrechterhaltene Schranke für das private Eigentum, ohne sie zu verletzen! Die naturrechtliche Beschränkung, dass nichts verderben darf, bleibt formal anerkannt, faktisch darf man sich aber „unendlichen“ Reichtum aufhäufen, da Geld nicht verdirbt.
Locke entwickelt die von Thomas Hobbes aufgebrachte Theorie vom Gesellschaftsvertrag weiter, wonach die Beziehung zwischen Volk und Regierung als Volksverhältnis einer freien bürgerlichen Eigentümergesellschaft interpretiert wird. Dabei weitet er das Widerstandsrecht gegen die Regierung erheblich aus.
Wie auch Hobbes ging er von einer Art Naturzustand aus, aber im Gegensatz zu Hobbes war er nicht der Ansicht, dass dieser von Grund auf schlecht sei, sondern dass er es erst mi | | |