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| Intelligenz |
IntelligenzIntelligenz (lat.: intelligentia „Einsicht, Erkenntnisvermögen“, intellegere „verstehen“) bezeichnet im weitesten Sinne die Fähigkeit zum Erkennen von Zusammenhängen und zum Finden von optimalen Problemlösungen.
Hinsichtlich der unterschiedlichen Bereiche der Problemstellungen werden auch unterschiedliche Arten von Intelligenz unterschieden.
Intelligenz ist, vereinfacht ausgedrückt, die Fähigkeit, Probleme und Aufgaben effektiv und schnell zu lösen und sich in ungewohnten Situationen zurecht zu finden. Trotzdem ringt die Wissenschaft seit mehr als 100 Jahren um eine zutreffende und umfassende Definition. Ein Teil der Wissenschaftler geht von einem einzigen, bereichsübergreifenden Intelligenzfaktor, dem „Generalfaktor g“ aus, der unterschiedlich hoch sein kann.
Andere Forscher wiederum befürworten eine ganze Palette voneinander relativ unabhängiger Intelligenzen wie verbales Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Gedächtnis und Zahlenverständnis. Der amerikanische Psychologe Howard Gardner bezieht in seiner Theorie der "Multiplen Intelligenzen" (MI) sogar Bewegungsintelligenz (Tänzer), musikalische Intelligenz (Musiker, Komponisten) oder naturalistische Intelligenz (Naturforscher) mit ein.
Bernhard von Mutius konstatiert die Herausbildung einer "anderen Intelligenz",
verstanden als ein Ensemble von (systemisch-kreativen) Fähigkeiten, komplexe
(soziale) Probleme zu lösen: nicht nur einseitig analytisch, linear-kausal, basierend
auf einem vermeintlich "objektivem" Wissen, sondern kombinatorisch, zirkulär,
relational und - im Bewusstsein des eigenen Nichtwissens - im Dialog und in
Kooperation mit anderen.
Psychologie
In der Psychologie ist Intelligenz ein Sammelbegriff für die kognitiven Fähigkeiten des Menschen, also die Fähigkeit, zu verstehen, zu abstrahieren und Probleme zu lösen, Wissen anzuwenden und Sprache zu verwenden.
Mit Intelligenz befassen sich die Allgemeine, die Differentielle und die Neuropsychologie.
Allgemeine Psychologie
Im alltäglichen Sprachgebrauch werden häufig Begriffe wie Denkvermögen, Auffassungsgabe, Rationalität, Logik, Urteilsvermögen und Kreativität verwendet, um die geistigen Fähigkeiten des Menschen zu kennzeichnen. Diese bleiben als Konstrukt jedoch so lange inhaltsleer, wie sie nicht messbar gemacht und von anderen abgegrenzt werden (vgl. diskriminante Validität, Testgütekriterien).
Die für den Begriff Intelligenz relevante Forschung auf dem Gebiet der Allgemeinen Psychologie bezeichnet man heute oft als Kognitive Psychologie. Diese wiederum greift auf Methoden und Erkenntnisse der Hirnforschung bzw. Gehirnforschung, der Entwicklungspsychologie und zunehmend auch der künstlichen Intelligenz zurück. Ein zentraler Strang der kognitiven Psychologie ist die Arbeitsgedächtnis-Forschung. Sie geht zurück auf Modelle wie das working-memory model von Baddeley. Hierzu existieren bereits brauchbare Testbatterien, die sogenannte elementary cognitive tasks beinhalten.
Differentielle Psychologie
Bei der Diagnose von Intelligenz im Rahmen der Persönlichkeits- und Differentiellen Psychologie bemüht man sich darum, quantitative Unterschiede der Intelligenz zwischen Menschen festzustellen. Intelligenz wird in diesem Zusammenhang als Teilbereich der Persönlichkeit i.w.S. gesehen.
Als Fachbegriff der Psychometrie wurde "intelligence - Intelligenz" in der Zeit um 1900 geprägt, wobei der inhaltliche Impuls aus dem englischen Sprachraum kam (Louis Leon Thurstone, Charles Spearman).
Der Intelligenzquotient (IQ)
Für die Messung der psychometrischen Intelligenz (IQ) war die Forschung des Franzosen Alfred Binet von bahnbrechender Bedeutung, der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gemeinsam mit Theodore Simon im Auftrag der französischen Regierung ein Testverfahren zur Einstufung und Auswahl von behinderten Vorschulkindern entwickelte. Schon in diesem ersten Intelligenztest werden viele kleine Aufgaben gestellt. Da Binet feststellte, dass ältere Kinder anspruchsvollere Aufgaben lösten als jüngere Kinder und auch schneller waren und damit eine höhere Punktzahl erreichten, wurde daraus in den folgenden Jahren der Intelligenzquotient, abgekürzt IQ, als ein auf das Lebensalter bezogenes Maß der Intelligenz.
Binet selbst sah seine Arbeiten kritisch und in seinem Punktesystem primär eine Hilfestellung bei einer Einstufung von Schülern. Er hat jedoch die Grundlage geschaffen auf der Charles Spearman und andere aufbauen konnten. Diese entwickelten dann die Theorie eines Allgemeinen Faktors der Intelligenz sowie eines Intelligenzstrukturmodells.
Die Anzahl der richtigen Aufgaben sowie die Bearbeitungsgeschwindigkeit und der Vergleich mit Gleichaltrigen wurde somit zur empirischen Grundlage des frühen Intelligenzbegriffes, welcher „Intelligenz“ am IQ festmacht und nach wie vor bei wissenschaftlich validierten Intelligenztests (z. B. dem CFT3-Grundintelligenztest von Cattell/Weiss) bei erwachsenen Probanden und Kindern Anwendung findet. Eine Weiterentwicklung brachte die Informationspsychologie, die den IQ durch das Konzept des Arbeitsspeichers ersetzt, der ein physikalisches Maß der Intelligenz bzw. der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit darstellt, nämlich die verarbeiteten Bit pro Zeiteinheit.
Da Binets Konzept (IQ=Intelligenzalter/Lebensalter) sich als problematisch erwiesen hat, wurde später von anderen Forschern Wechsler ein neues Intelligenzkonzept eingeführt, bezogen auf den Mittelwert der Gesamtbevölkerung. Der mittlere IQ liegt nach dieser
Definition bei 100. 68 % der Bevölkerung haben einen IQ zwischen 85 und 115 (bei in Deutschland üblichen Intelligenztests mit einer Standardabweichung von 15). Nur ca. 2,2 % der Bevölkerung haben einen IQ über 130 (oft benutzt als Grenzwert für Hochbegabung) oder unter 70, was als Grenze zum Schwachsinn betrachtet wird.
Da die Zuverlässigkeit der Testergebnisse mit zunehmender Abweichung vom statistischen Mittel sinkt, hat der IQ außerhalb der Grenzen zwischen 55 und 145 praktisch keine Bedeutung mehr. Es wäre zwar theoretisch denkbar, entsprechende Tests zu konstruieren, allerdings praktisch nicht durchführbar. Denn in diesem Bereich befinden sich nur 0,26 % der Bevölkerung.
Die Höhe der Intelligenz und Intelligenzstruktur ändern sich mit zunehmenden Lebensalter s.a.Altersintelligenz
Die bis hierher geschilderten Sachverhalte entsprechen weitgehend dem etablierten Konsens im Rahmen der Differentiellen Psychologie. Sie sind jedoch nicht unwidersprochen geblieben.
Die Wissenschaft streitet noch darüber, in welchem Maße Intelligenz vererbt wird bzw. durch soziale Einflüsse, z. B. die Erziehung, beeinflusst ist. Entsprechende Studien widersprechen sich z. T. Einigkeit unter seriösen Forschern besteht weitgehend nur darüber, dass beides eine Rolle spielt. Die wertvollsten Untersuchungen ziehen hierfür zeitnah nach der Geburt getrennte eineiige Zwillinge heran, sogenannte Zwillingsstudien.
Wissenschaftliche Studien legen einen Zusammenhang zwischen der Größe des Gehirns und dem Intelligenzquotienten nahe. Mit Hilfe von Magnetresonanztomografen wurde gezeigt, dass Menschen mit hohem IQ tendenziell über ein überdurchschnittlich schweres Gehirn verfügen.
Kritik an der orthodoxen Sicht der differentiellen Psychologie
Problemlösefähigkeit: Die Problematik der IQ-Tests lag auch darin, dass vorwiegend die Geschwindigkeit bei der Lösung relativ leichter Tests gemessen wurde. Aktuelle Tests sind in der Regel adaptiv und passen sich in der Problemstellung dem Vermögen des Probanden an. Denn: In der Realität ist Intelligenz vor allem als Fähigkeit zur Lösung nichttrivialer Probleme interessant. Die Fähigkeit der Lösung hochkomplexer Probleme über lange Zeiträume wird durch
IQ-Tests aber nicht ansatzweise getestet, teilweise ist sie sogar hinderlich (zu großer Suchraum,
Erkennen, daß alle Antworten falsch oder mehr als eine Antwort richtig ist).
Trainierbarkeit: Jeder, der Testaufgaben trainiert, kann seinen IQ deutlich steigern. Neben dem Trainingseffekt tritt dabei ein Angleichen der Denkmuster zwischen Aufgabensteller und Proband auf.
Motivation/Validität: Auch die Motivation bei den Tests wirkt sich stark aus. IQ-Tests nach einem dreiwöchigen Urlaub von Probanden ergaben Werte von bis zu 30 Punkten unter dem sonstigen Wert. Damit ist der IQ als konstante, einem Individuum zuzuordnende Meßgröße in Frage gestellt.
Stephen Jay Gould hat sowohl den „einen“ IQ, als auch Intelligenz aus verschiedenen, voneinander relativ unabhängigen Faktoren (primary mental abilities) zusammengesetzt, als wissenschaftlich fragwürdig und als ein untaugliches Konzept kritisiert.
Soziale Kompetenz: Klassische Intelligenztests versuchten im Wesentlichen logisch-analytische Fähigkeiten zu messen und erlaubten damit beispielsweise kein Urteil über den nicht-rationalen Umgang mit den Mitmenschen (EQ). Das ist zumindest bei modernen Verfahren kein Problem mehr.
Emotionale Intelligenz
Das Thema Emotionale Intelligenz wird auch im gleichnamigen Artikel besprochen.
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Nicht analog dem IQ-System (auf Mittelwert 100 und Standardabweichung 15 skaliert), aber durchaus beschreibend lassen sich auch persönliche und emotionale Faktoren in zielgerichteten und erfolgreichen Handlungskonzepten erkennen. Während bei planvollem Handeln in Gruppen der IQ sicher auch eine Rolle spielt, sind die Wahrnehmung bzw. Kontrolle von Emotionen in gefährlichen Situationen und andere Persönlichkeitseigenschaften der Emotionalen Intelligenz eher eine unabhängige Variable der ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung. Besonders große Unterschiede zwischen den Menschen zeigen sich im Umgang mit den eigenen Gefühlen; er hängt u. a. von der Prägung durch die Herkunfts-Familie und dem Selbstwertgefühl ab, ändert sich aber auch durch spätere Erfahrungen oder Seminare etc.
Im europäischen Kulturkreis besitzt (analytische) Intelligenz (IQ) einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert und wird nach der Meinung mancher Autoren gegenüber kreativen und sozialen Begabungen ("EQ") bisweilen überbewertet. Manche meinen jedoch, ein Umkehren des Pendels beobachten zu können, da immer mehr sog. reine soft skills als Schlüsselqualifikationen bezeichnet würden. Die Diskussion, was wichtiger für individuellen Erfolg oder auch für fruchtbare Beiträge zur Volkswirtschaft oder der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung ist - die "emotionale Intelligenz" oder die eigentliche (kognitive Faktoren beschreibende) Intelligenz - ist überflüssig. Denn jeder ausschließlich analytisch Hochintelligente wird ohne eigene soziale Kompetenzen oder ein förderndes Netzwerk trotz seiner (theoretischen) Leistungsfähigkeit isoliert bleiben. Und ein rein auf Basis sozialer Fertigkeiten agierender "Instinkttäter" kann ohne eigenen Leistungs- oder Sachbeitrag auch kaum langfristig erfolgreich sein, zumindest nicht in "Leistungsgesellschaften".
Erfolgsintelligenz
Die Theorie der Erfolgsintelligenz behauptet, das Zusammenwirken einer von den Verfechtern dieser Dichotomie postulierten zweigeteilten rationalen und emotionalen Intelligenz zu beschreiben.
Die psychologische Forschung (siehe insb. Hunter und Schmidt) zeigt aber, dass der stärkste einzelne Prädiktor für Erfolg im Berufsleben die allgemeine Intelligenz ist, auch als G-Faktor bezeichnet (General Intelligence). Auch die Forschung zu Lebenserfolg bzw. Lebensleistung zeigt einen Zusammenhang zwischen erfülltem Leben, Lebensleistung und klassischen Intelligenzmaßen. Die neue Strömung, soziale Kompetenzen, emotionale Stabilität, Extraversion, Anpassungsfähigkeit und andere persönlichkeitsbezogene Eigenschaften als Emotionale Intelligenz zusammenzufassen und zu benennen, kann zweifach gedeutet werden:
Als überflüssige Verwischung der Grenzen zwischen Intelligenz als in sich zusammenhängendem Konstrukt und davon bisher abgegrenzten Persönlichkeitsvariablen,
oder als nützlicher Hinweis, dass Intelligenz (im herkömmlichen Sprachgebrauch) natürlich nicht alles ist. Die Überfrachtung des Intelligenzbegriffs muss für seine weitere Erforschung und Beschreibung nicht hilfreich sein, da ja die Intelligenz im Ursprungssinn noch nicht hinreichend beschrieben ist, und der eigentliche Denkprozess noch weitere Forschung erfordert.
Die Entwicklungspsychologie zeigt, dass sich kognitive Fähigkeiten und soziale Fertigkeiten nicht immer parallel entwickeln und beide gefördert werden müssen. Tatsächlich können sich Probleme bei einseitiger Förderung von Kindern mit überdurchschnittlicher Auffassungsgabe (Thinking Speed) ergeben. Im regulären Lehrbetrieb häufig kognitiv unterfordert, kann ein solches Kind mit dem Überspringen einer oder mehrerer Klassen auch einer sozialen Überforderung ausgesetzt werden. Schulpsychologen können bei einer solchen Entscheidung wichtige Hinweise und Unterstützung geben.
Neuropsychologie
Die Neuropsychologie beschäftigt sich unter anderem auch mit den neuronalen Grundlagen der Intelligenz bzw. der Verarbeitung von Signalen bzw. Information beim Menschen. Für die Intelligenz besonders relevant sind die Vorgänge im Großhirn (vgl. auch Cortex), wogegen das Kleinhirn (lat. Cerebellum) und phylogenetisch ältere Bereiche (z. B das Stammhirn) in der Forschung zu neuronalen Grundlagen der Intelligenz weniger Beachtung finden. Dies heißt jedoch nicht, dass Intelligenz in bestimmten Bereichen lokalisiert werden kann, eine gewisse dezentrale Organisation von Informationsverarbeitungsprozessen ist trotz allem nicht von der Hand zu weisen.
Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet die mechanisch-elektronische Nachbildung menschlicher Intelligenz innerhalb der Informatik. Die KI findet zunehmend Einsatz in der ingenieurwissenschaftlichen oder medizinischen Technik.
Mögliche Anwendungsszenarien sind: Optimierungsprobleme (Reiseplanung, Schienenverkehr), Umgang mit natürlicher Sprache (automatisches Sprachverstehen, automatisches Übersetzen, Suchmaschinen im Internet), Umgang mit natürlichen Signalen (Bildverstehen und Mustererkennung).
Soziologie
Die Intelligenz als Bezeichnung für die Gesamtheit aller Gebildeten wurde erstmals 1844 im Polnischen von K. Libelt gebraucht, 1846 im Russischen von W. G. Bielinski, im Deutschen später von u. a. Karl Kautsky, Karl Marx, Hugo Ball (Kritik der deutschen Intelligenz), Adolf Hitler. Die Intelligenz als soziale Schicht war bis 1990 fester Bestandteil eines kommunistisch geprägten Gesellschaftsverständnisses. In der DDR verstand man unter "Intelligenz", auch Geistesarbeiter oder Geistesschaffende genannt, die Gesamtheit aller Personen mit einem Hochschulabschluss oder Fachschulabschluss. Im westlichen Deutschland, wo der Begriff auch weite Verbreitung erlangte, konkurriert "Intelligenz" auch heute noch mit dem älteren Begriff Intellektuelle bzw. mit Akademiker oder erscheint gar als soziologischer Fachbegriff in der slawischen Form Intelligentsia.
Kritik am Intelligenzbegriff
siehe: IQ-Test: Kritik
Zitate
- Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ständig gezwungen ist, dazuzulernen. - George Bernard Shaw
- Intelligenz ist jene Eigenschaft des Geistes, dank derer wir schließlich begreifen, dass alles unbegreiflich ist. - Emile Picard
- Unsere Freunde sagten mir, sie seien leidend. Ich beklage sie sehr. Denn ich sehe, dass sie die Freuden der Intelligenz haben müssen, und auf die kommt es wahrscheinlich für sie vor allem an wie für jeden, der sie kennt. – Marcel Proust (aus: Im Schatten der jungen Mädchen, ISBN 3-51857875-8, S. 143f)
- Das menschliche Gehirn ist unvergleichlich komplexer als etwa ein Stern; und darum wissen wir auch so viel mehr über Sterne als über das menschliche Gehirn. Und der komplexeste Aspekt des menschlichen Gehirns ist seine Intelligenz. - Isaac Asimov
- Intelligenz ist das, was der Intelligenztest misst. - Boring (1923)
- Bei Erfolgreichen in der Wirtschaft darf man nicht von einem hohen IQ ausgehen - der hindert an der Tat. - Heinz Dürr
- Intelligenz erlaubt die Weisheit zu verstehen und Weisheit erlaubt die Intelligenz zu verstehen. - (Unbekannt)
- Nichts ist gleichmäßiger verteilt als die Intelligenz. Jeder glaubt, er habe genug davon. - René Descartes
- Je mehr wir wissen, desto weniger scheinen wir weiter-zu-wissen." – Bernhard von Mutius
Weitere Zitate auf [http://de.wikiquote.org/wiki/Intelligenz Wikiquote]
Siehe auch
- Intelligenzquotient
- Intelligenztest
- Organisationsintelligenz
- Emotionale Intelligenz
- Mensa
- Dummheit
- Klugheit
Literatur
- Theodor Geiger: Aufgaben und Stellung der Intelligenz in der Gesellschaft. Enke, Stuttgart 1987 (Nachdruck der 1. Auflage von 1949).
- Alvin W. Gouldner: Die Intelligenz als neue Klasse. Sechzehn Thesen zur Zukunft der Intellektuellen und der technischen Intelligenz. Campus, Frankfurt am Main 1980.
- H. Holling, F. Preckel, M. Vock: Intelligenzdiagnostik. Kompendien Psychologische Diagnostik – Band 6. Hogrefe, Göttingen 2004, ISBN 3-8017-1626-0
- Heinz Kluth: Intelligenz. In: Staatslexikon. Recht, Wirtschaft, Gesellschaft. 4. Band. Herder, Freiburg 1959, S. 346–351.
- H. J. Im: Die Entwicklung eines europäischen Schlüsselwortes: Intelligenz und seine Bedeutung in der Wissenschaftssprache. Phil. Diss., Bonn 1975.
- R. Schulte: Intelligence. In: Sprachwissenschaftliches Colloquium Bonn (Hrsg.): Europäische Schlüsselwörter. Wortvergleichende und wortgeschichtliche Studien. Bd. II. Kurzmonographien I. Wörter im geistigen und sozialen Raum. Hueber, München 1964, S. 18–49.
- Jürgen Guthke: Ist Intelligenz meßbar? Eine Einführung in die Probleme der psychologischen Intelligenzforschung und Intelligenzdiagnostik. 2. Auflage. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1980.
- Siegfried Lehrl: Arbeitsspeicher statt IQ. Vless, Ebersberg 1997. ISBN 3-88562-079-0
- Aljoscha Neubauer: Intelligenz und Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung. Springer, Wien 1995. ISBN 3-211-82735-8
- Erwin Roth, Wolf D. Oswald und Konrad Daumenlang: Intelligenz: Aspekte, Probleme und Perspektiven. 4. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1980. ISBN 3-17-005665-4
- Stephen Jay Gould: Der falsch vermessene Mensch. ISBN 3-51-828183-6
- Bernhard von Mutius (Hrsg.): Die andere Intelligenz. Wie wir morgen denken werden. Stuttgart, Klett-Cotta 2004. ISBN 3-608-94085-5
Weblinks
- [http://www.hirnforschung.de/Intelligenz.php4 Newsletter zur Intelligenzforschung]
- http://www.mensa.org/ - http://www.mensa.ch/ - http://www.mensa.de/
- http://www.prometheussociety.org/articles/multiple.html
- http://science.orf.at/science/news/54166
- http://home.arcor.de/m_enning/literatur/buch/capra_tao.htm
- http://www.eskimo.com/~miyaguch/hard_iq.html
- [http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2004/102/ Unterschied zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/248448.html wissenschaft.de: Intelligenz funktioniert bei Männern anders als bei Frauen]
- [http://www.newlife-online.de/buch.php Relative Intelligenz - Relativität der Intelligenz als biologisches Grundprinzip der Lebenstüchtigkeit]
Kategorie:Allgemeine Psychologie
Kategorie:Differentielle und Persönlichkeitspsychologie
Kategorie:Pädagogische Psychologie
Kategorie:Kognitionswissenschaft
Kategorie:Philosophie des Geistes
ja:知能
Latein
Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum.
Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.
Entwicklung
romanischen Sprachen
Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein.
Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen.
Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa.
In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.
Antike
Antike Schreibweise
Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen.
Vergleiche folgendes Beispiel:
Alte Schreibweise:
AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO
SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT
POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO
AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT
IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI
NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM
MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS
NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT
NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE
NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI
NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV
MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES
Heutige Schreibweise:
Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,
sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat.
poena metusque aberant nec verba minantia fixo
aere legebantur, nec supplex turba timebat
iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti.
nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem,
montibus in liquidas pinus descenderat undas,
nullaque mortales praeter sua litora norant.
nondum praecipites cingebant oppida fossae,
non tuba directi, non aeris cornua flexi,
non galeae, non ensis erant: sine militis usu
mollia securae peragebant otia gentes.
Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter)
Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.
Antike Aussprache
Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.
Literatur
Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.
Gegenwart
Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte.
Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften.
Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare - „gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden.
Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher.
Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.
Modernes Latein
Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr.
Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat.
Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry.
Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein.
In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu „Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen.
Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.
Latein in den Wissenschaften
In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.
Latein in der katholischen Kirche
Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken).
Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen.
Siehe auch: Lateinische Kirche
Referenzlisten
- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter
Siehe auch
- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus
Weblinks
- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de]
Kategorie:Einzelsprache
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als:Latein
ja:ラテン語
ko:라틴어
simple:Latin language
th:ภาษาละติน
zh-min-nan:Latin-gí
ErkenntnisErkenntnis ist die vom Bewusstsein der Übereinstimmung mit dem Gegenstand getragene Einsicht eines Subjektes in einen objektiven Sachverhalt.
Zum Begriff der Erkenntnis
Der Begriff der Erkenntnis ist einer der Grundbegriffe der Philosophie, der ohne Selbstbezug (Zirkel) nicht definierbar ist und dessen Verständnis deshalb aus einer erläuternden Begriffsanalyse (Explikation) gewonnen werden muss. Erkenntnis bezeichnet das Ergebnis und den Prozess des Erkennens. Erkenntnis bezeichnet immer die Beziehung zwischen einem erkennenden Subjekt und etwas Erkanntem (Objekt). Erkenntnis kann sich ebenso auf einen Sachverhalt wie auf einen Prozess beziehen. Je nachdem, ob eine Erkenntnis unmittelbar gewonnen wird oder ob sie durch eine indirekte Information entstanden ist, spricht man von der unmittelbaren (intuitiven) oder von der mittelbaren (diskursiven) Erkenntnis.
Objekt
Der Begriff der Erkenntnis ist abzugrenzen von ähnlichen Begriffen wie Erfahrung, Einsicht, Wissen, Überzeugung, Meinung, Glauben und entgegenzusetzen zu Begriffen wie Ahnung, Vermutung, Spekulation sowie Vorurteile und Irrtum.
Die Vorsilbe „Er-„ im Wort Er-kenntnis ist ähnlich wie bei Er-fahren oder Er-leben eine Bezeichnung für eine über das bloße Kennen hinausgehende Einsicht in einen Gegenstand, die u.a.durch Verstehen von Wesensmerkmalen und Erinnerung gekennzeichnet ist.
Das Ergebnis des Prozesses der Erkenntnis bezeichnet man auch als Wissen. Erkenntnistheorie befasst sich daher mit der Entstehung von und dem Bestand an Wissen. Dabei ist der Begriff des Wissens allerdings nicht ausreichend, um den Begriff der Erkenntnis zu erklären. Erkenntnis beinhaltet auch die Einsicht in die Bedeutung eines Sachverhalts, ob z.B. eine Information wichtig ist für eine Problemlösung. Einsicht bedarf hingegen nicht zwingend einer Begründung, z.B. wenn man einsieht, dass etwas Gewünschtes sich nicht realisieren lässt, aber den Hinderungsgrund dafür nicht erkennt. Ähnlich wie Wissen ist Erkenntnis mit dem Anspruch der Richtigkeit verbunden. Erkenntnisse sind immer wahre Erkenntnisse. Dabei ist aber der Grad der Begründung nicht wie beim Wissen an logische Wahrheit und an einen Beweis gebunden. Erkenntnisse können sich auf einen vorwissenschaftlichen Bereich der Alltagserfahrung beziehen. In einem weiten Verständnis des Erkenntnisbegriffs werden auch Gefühle wie z.B. die Liebe sowie die Kunst als mögliche Erkenntnisquellen gesehen.
Wenn von gesicherter Erkenntnis gesprochen wird, steht dahinter die Vorstellung, dass die Erkenntnis durch wissenschaftlichen Nachweis belegt werden kann. Doch haben gerade de neuesten naturwissenschaftlichen Forschungen (Quantenphysik) gezeigt, dass zumindest in gewisser Hinsicht Aussagen nur mit Wahrscheinlichkeit gemacht werden können. Auch gilt in der Mathematik der Gödelsche Unvollständigkeitssatz, nach dem es in jedem System Aussagen gibt, die nicht innerhalb des Systems als wahr oder falsch bewiesen werden können. Dies führt zu Fragen, ob es überhaupt eine gesicherte Erkenntnis geben kann. Angesichts der Funktionsweise und der Täuschbarkeit der menschlichen Wahrnehmung entstehen darüber hinaus Fragen nach der Beschaffenheit der Realität, ob und inwieweit die Art der Erkenntnisgewinnung bereits die Erkenntnisinhalte beeinflusst.
In manchen Ländern (etwa Österreich) werden Urteile des Verfassungsgerichtshofes ebenfalls Erkenntnisse genannt. In diesem Fall ist das Wort nicht Femininum, sondern Neutrum.
Forschungsrichtungen
Die Erforschung der Wege zur Erkenntnis sind Sache der Kognitionswissenschaften (v. lat.: cognitio = Erkenntnis) und der Epistemologie (griechisch epistemé = Verstehen, (theoretisches) Wissen, Erkenntnis, Einsicht), auch Erkenntnistheorie genannt.
Erkenntnistheorie ist eine Teildisziplin der Philosophie, die sich mit der Frage befasst, was das Wesen, das Zustandekommen, die Bedingungen, Grenzen und Prinzipien von Erkenntnis sind. Eine Kernfrage ist dabei die Frage nach der Sicherheit von Erkenntnis bzw. ob es überhaupt sichere Erkenntnis gibt.
Die Abgrenzung der philosophischen Erkenntnistheorie zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen kann wie folgt vorgenommen werden:
- Die Logik ist die Lehre vom folgerichtigen Denken und setzt dabei Erkenntnis schon voraus.
- Die Wissenschaftstheorie konzentriert sich auf einen Teilbereich der Erkenntnis und fragt nach dem methodisch richtigen Vorgehen bei der Erkenntnisgewinnung im Bereich der wissenschaftlichen Forschung.
- In der Psychologie werden die Mechanismen und Verhältnisse des Bewusstseins untersucht in ihrer Auswirkung auf die Psyche. Der Inhalt des Erkannten hat keine primäre Bedeutung.
- Zu den Kognitionswissenschaften zählt man neben Philosophie und Psychologie auch die Neurowissenschaften, die Linguistik und die Informatik.
Methoden der Erkenntnisgewinnung und Überprüfung von Erkenntnissen
- Beobachtung
- Aufzeichnung, Dokumentation
- Versuch und Irrtum
- Experiment
- Messung
- Vergleich
- Befragung, Interview
- Deduktion
- (vollständige) Induktion
Siehe auch
- Portal:Philosophie
- Evidenz, Evidenzverhalten, Lernen
- Offenbarung, a_posteriori, a_priori
Literatur
- Kurt Eberhard: Einführung in die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie. Geschichte und Praxis konkurrierender Erkenntniswege, Kohlhammer, 2. Aufl. Stuttgart 1999 (Sehr empfehlenswert als Zweitlektüre, da z.T. überraschende, aber plausible Betrachtungen aus sozialwissenschaftlicher Sicht vorgenommen werden.)
- Gottfried Gabriel: Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Von Descartes bis Wittgenstein, Schöningh, Paderborn, 2. Aufl. 1998 (Zum Einstieg besonders geeignet. Historisch orientiert. Endet bei Wittgenstein. Ergänz sich daher sehr gut mit Norbert Schneider.)
- Richard Hönigswald: Grundfragen der Erkenntnistheorie. Hrsg. v. Wolfdietrich Schmied-Kowarzik. Philosophische Bibliothek Bd.510 Meiner, Hamburg 1997. ISBN 3-7873-1349-4
- Peter Janich: Was ist Erkenntnis. Eine philosophische Einführung, Beck, München 2000 (Viele kritische Fragen an die klassische Erkenntnistheorie mit einem weiten Erkenntnisbegriff aus Sicht des methodischen Konstruktivismus. Als Einführung empfehlenswert, als Zweitlektüre sehr wichtig.)
- Hans Günther Ruß: Wissenschaftstheorie, Erkenntnistheorie und die Suche nach der Wahrheit. Eine Einführung, Kohlhammer, Stuttgart 2004 (klassische Position des Kritischen Rationalismus. Relativ leicht zu verstehen.)
- Herbert Schnädelbach: Erkenntnistheorie zur Einführung, Junius, Hamburg 2002 (sprachanalytisch pragmatischer Ansatz mit einer knappen historischen Einleitung. Zum Einstieg nicht ganz einfach, aber sehr empfehlenswert)
- Norbert Schneider: Erkenntnistheorie im 20. Jahrhundert. Klassische Positionen, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1998 (Als Einführung sehr wichtig, relativ leicht zu lesen und mit einem breiten Spektrum der dargestellten Positionen. Incl. Piaget und Materialismus in Russland. Sehr gute, historisch orientierte Einführung.)
Weblinks
- http://beat.doebe.li/bibliothek/w00064.html
- http://beat.doebe.li/bibliothek/b00014.html
Kategorie:Kognitionswissenschaft
Kategorie:Wissen
PsychologiePsychologie (aus griech. ψυχολογία, psychología „die Seelenkunde“) ist die Wissenschaft vom Erleben, Verhalten und Bewusstsein des Menschen, deren Entwicklung in der Lebensspanne und deren inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen. Die Psychologie ist eine bereichsübergreifende Wissenschaft. Sie lässt sich nicht allein den Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften oder den Naturwissenschaften zuordnen.
Geschichtlicher Abriss
Die Psychologie "hat eine lange Vergangenheit, aber nur eine kurze Geschichte" (Ebbinghaus, 1908). Die Wurzeln dieser Disziplin reichen weit in die Vergangenheit zurück, als anerkannte Wissenschaft jedoch gibt es die Psychologie erst seit dem 19. Jahrhundert.
Erste Ansätze einer strikt erfahrungs-'wissenschaftlichen' Erforschung psychischer Leistungen wurden im 19. Jahrhundert von physiologisch forschenden Physikern wie Gustav Theodor Fechner und Hermann von Helmholtz unternommen, die Wahrnehmungsvorgänge als Leistungen von Sinnesorganen auffassten und diese zu erforschen begannen. Dieses Vorgehen führt(e) allerdings nur zu einer Sinnesphysiologie und damit allein noch nicht zu einer genuinen Psychologie, die den Selbsterfahrungsaspekt einschließt. Dasselbe gilt für die ebenfalls schon im 19. Jahrhundert begonnene Hirnforschung, die methodisch bedingt Neurophysiologie ist und allein ebenfalls nicht darüber hinausreicht.
Gewöhnlich gilt die Einrichtung seines experimentalpsychologischen Laboratoriums in Leipzig durch den Helmholtz-Schüler Wilhelm Wundt im Jahre 1879 als Lösung der Psychologie von der Philosophie und vor allem als Beginn der akademischen Psychologie als universitäres Fach und Forschungsfeld. Der Ansatz Wundts wird deshalb als Beginn der akademischen Psychologie angesehen, weil hier erstmals ein explizit empirisch-methodischer, an den experimentellen Naturwissenschaften orientierter und ausgerichteter Zugang methodologisch herausgearbeitet wurde, um psychologische Phänomene zu untersuchen.
Im Oktober 1875 begann Wilhelm Wundt seine Lehrtätigkeit als Professor in Leipzig denn auch mit der Vorlesung "Logik und Methodenlehre mit besonderer Rücksicht auf die Methoden der Naturforschung“. Er war auf diese Professur berufen worden, weil Leipzig diese neue "Idee", nämlich die, "dem Einfluss der Naturwissenschaft auf die Philosophie Geltung zu verschaffen", fördern wollte. Basierend auf einer methodologischen Auseinandersetzung, deren Ausgestaltung durch die sinnesphysiologischen Herangehensweisen geprägt worden war, die Methoden der Naturwissenschaften für die Philosophie allgemein zu nutzen, galt Wundts besonderes Interesse dabei psychologischen Fragestellungen. Von Beginn an hatte Wundt engen Kontakt zum Physiker Gustav Theodor Fechner, der selbst bis 1874 Vorlesungen an der Philosophischen Fakultät zu Leipzig gehalten hatte. Mit ihm besprach er auch seinen Plan zur Gründung eines psychologischen Instituts, zu der es wie beschrieben 1879 kam; zunächst als Privatinstitut, ab 1883 als offizielles Universitätsinstitut.
Grundsätzlich folgte die Psychologie dem oben genannten Selbstverständnis, weshalb Wundt und seine Kollegen die Psychologie auch als neue Disziplin ansahen, die aus der Zusammenfügung von (Experimental-) Physik, Physiologie und Mathematik unter strenger Beibehaltung des naturwissenschaftlichen Ansatzes und durch Anwendung dieser methodischen Prinzipien zwecks Erforschung psychologischer Phänomene geboren worden war.
Dieser Ansatz war so revolutionär und vielfach wohl auch ersehnt, dass Wissenschaftler dieser Disziplinen aus aller Welt begeistert nach Leipzig pilgerten, um unter Wundt zu studieren. Leipzig wurde zum "Mekka" der neuen Naturwissenschaft Psychologie. In der Hochzeit hatte Wundt allein fast 40 (!) wissenschafltiche Assistentenstellen. In diesen frühen Jahren entwicklten sich u.a. auch die psychologischen Disziplinen der Psychophysik und der Diagnostik, was wiederum für die Angewandte Mathematik und Statistik sehr fruchtbar war.
Missverständnisse entstehen immer wieder, weil Wundt seinerzeit zwar Professor für Psychologie, aber Philosophieprofessor war, was aber darin begründet liegt, dass es damals nur die Fakultäten für Medizin, Jurisprudenz, Theologie und Philosophie gab. Teilweise ist dieser Ursprung auch heute noch sichtbar. So werden z.B. in den meisten Ländern der Welt auch Naturwissenschaftler (z.B. Physiker, Chemiker oder Biologen) zum Doktor der Philosophie (Ph.D.) promoviert. Eine naturwissenschaftliche und andere Fakultäten wurden nämlich erst viel später gebildet, wie auch das Studium einzelner Disziplinen als selbstständige Fächer. In Deutschland geht schließlich ein von der ursprünglichen Idee her primär berufsqualifizierender Abschluss namens Diplom auf die Nationalsozialisten zurück. Das Diplomstudium der Psychologie wurde in Deutschland 1941 eingerichtet, unter gleichzeitiger Primärbetonung einer berufspraktischen Qualifikation als Wehrpsychologe (mit Schwerpunkt Diagnostik).
Auskünfte zu Schwierigkeiten einer genauen Standortbestimmung und zu Problemen bei der eindeutigen Zuteilung zur natur- oder geisteswissenschaftlichen Fakultät anhand der Inhalte oder der Methoden, gibt die anekdotenhafte Schilderung [http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/psychologie/psychologie_als_wissenschaft.pdf"Psychologie zwischen Natur- und Geisteswissenschaften"] von Wolfgang Metzger.
Die neue Wissenschaft verbreitete sich wegen der äußerst zahlreichen Schüler Wundts weltweit rasend schnell. Viele Wundt-Schüler gründeten schon vor dem Ersten Weltkrieg eigene psychologische Institute weltweit, auch in den USA. In Deutschland auch durch Oswald Külpe und Karl Marbe 1896 in Würzburg. Dies war die Begründung der "Würzburger Schule", die sich vornehmlich mit der naturwissenschaftlichen Erforschung von Denk-, Urteils- und Willensprozessen beschäftigte, was der Psychologie einen bis dahin völlig neuen Forschungsgegenstand und eine neue Dimension bescherte.
Max Wertheimer (1880-1943) und Wolfgang Köhler (1887-1967) waren die maßgeblichen Begründer der Frankfurter und der Berliner Schule der Gestaltpsychologie bzw. Gestalttheorie. Zwar auch sehr streng mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet, stellten sie den elementaren Überlegungen Wundts aber einen ganzheitspsychologischen Ansatz gegenüber. Eine international wichtige Rolle spielte die Gestaltpsychologie in den 1920er und -30er Jahren. Die Gestaltpsychologie wurde jedoch bald durch den zunehmend dominanteren amerikanischen Behaviorismus in den Hintergrund gedrängt. Als ein wesentlicher Faktor dafür muss hier ganz besonders der wissenschaftliche Kahlschlag der Nationalsozialisten angesehen werden.
Wichtige Vertreter in den Anfangsjahren der wissenschaftlichen Psychologie waren neben Wundt und vielen anderen v.a. Gustav Theodor Fechner, Ernst Heinrich Weber, Francis Galton, Karl Pearson, Hermann Ebbinghaus, James McKeen Cattell (Wundt-Schüler der ersten Stunde und erster Psychologie-Professor in den USA), Alfred Binet, Charles Spearman, William Stern, Christian von Ehrenfels und William James.
Zu nennen ist sicher auch der Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow, der zwar kein Psychologe war, aber mit seinen Tierexperimenten (Pawlowscher Hund) Grundlagen des dann klassisch genannten Vorgangs der Konditionierung klären konnte, welcher später Psychologen zu weiteren Forschungen zu Phänomenen des Lernens animierte. Hier ist v.a. Edward Lee Thorndike und John B. Watson 1915 zu nennen, auf die der Behaviorismus zurückgeht. Dieses hat in den USA eine jahrzehntelange Lernforschung zur Folge gehabt und zur Etablierung der Lernpsychologie geführt, deren bekanntester Vertreter Burrhus Frederic Skinner sein dürfte, der das Konzept der operanten Konditionierung entdeckte. Zu nennen ist dann auch noch Albert Bandura, der später die Theorie des Modell-Lernens entwickelte. Auf diesen Grundlagen, neben vielen weiteren Einflüssen, insbes. aus Forschungsergebnissen verschiedener Teilgebiete der Allgemeinen Psychologie, wurde innerhalb der Klinischen Psychologie die Verhaltenstherapie (i.S. der frühen Form Behavioraler Therapie) entwickelt.
In den 1970er Jahren löste der Informationsverarbeitungsansatz den Behaviorismus als führendes Paradigma ab (sog. "Kognitive Wende" der Psychologie). Dies liegt jedoch nicht in einer theoretischen Untauglichkeit des Behaviorismus begründet, sondern in einem Wechsel der Interessen der Scientific Community. Themen wie Aufmerksamkeit, Denken oder Kognition und Emotionalität traten dabei in den Vordergrund. Im Gegensatz zum Behaviorismus, der die Funktionsweise des Gehirns methodisch unberücksichtigt ließ und deswegen oft als Blackbox-Psychologie (oder wegen der zahlreichen Tierversuche "Ratten-Psychologie" oder "Rats-and-Stats" -- "Ratten und Statistik"-Psychologie) bezeichnet wurde, ging man dazu über, auch Art und Funktion von Selbstwahrnehmungen, also bewusst gewordener Vorgänge zu erforschen. Der Computer wurde zur Metapher des menschlichen Geistes, wenngleich man sich der Beschränkungen des Computermodells schnell bewusst wurde, da beispielsweise die Parallelverarbeitungsleistungen des Gehirns damit nur schwer erklärbar sind. Neben diese Sichtweise trat in den 1980er Jahren der Konnektionismus, dessen zentrales Konstrukt Netzwerke sind. Statt des Computers dient hier das Gehirn als Metapher des Geistes, eine Entwicklung, der dadurch Vorschub geleistet wurde, dass sich unter Hirnforschern seit langem eine Art cerebraler Pseudopsychologie entwickelt hat, nach der Hirne denken, fühlen, überlegen, entscheiden, ja sogar "zukünftige Aktionen planen" - nach DAS MANIFEST elf "bedeutender Neurobiologen" vom Herbst 2004 -, ja sogar wissenschaftliche Theorien konstruieren, wenn nicht sogar die gesamte Wirklichkeit einschließlich des Wissenschaftlers, der diese Theorie entwickelt hat, gemäß der er sich selbst zum Konstrukt seines Gehirn erklärt hat (G. Roth in: Das Gehirn und seine Wirklichkeit). Insgesamt erwiesen sich Modelle auf Basis der Netzwerktheorie, auch durch Einbezug neuerer formaler Modellierungsmöglichkeiten, wie z.B. neuere Markov Prozesse, für die kognitiven Ansätze als sehr fruchtbar. Hinzu kamen weiterhin z.B. Einflüsse aus dem Konstruktivismus, der Kybernetik und der Systemtheorie. Auch auf die Gestaltpsychologie wurde wieder zurückgegriffen, bzw. wieder angeknüpft.
Für die Psychologie bedeutet dies, dass sich einzelne Bereiche nebeneinander wieder stärker ausbilden konnten, neben der Kognitionspsychologie auch die Biopsychologie mit ihren Unterbereichen, die beide einen großen Bestandteil der Kognitiven Neurowissenschaften darstellen. Demgegenüber spielen aber gleichzeitig auch verhaltensorientierte Ansätze wieder eine sehr starke Rolle, so dass innerhalb der Disziplinen der Psychologie verschiedene Ansätze (neben den hier bisher erläuterten auch noch weitere) gleichberechtigt nebeneinander existieren und flexibel bezogen auf eine Fragestellung genutzt werden können, ohne gegen irgendeine "Konvention" zu verstoßen, was derzeit das Fach Psychologie allerdings auch äußerst komplex macht.
Auch heute bekennt sich die Psychologie zu den Grundideen Wundts: Sie ist eine streng empirische Wissenschaft. Eine "geisteswissenschaftliche" Psychologie, im Sinne einer nur deutenden, sich nur theoretisch auseinandersetzenden oder nur theoretisch-beschreibenden Arbeitsweise, gibt es nicht. Theorien und daraus abgeleitete Modelle, Annahmen für die Beantwortung einer konkreten Fragestellung usw. werden mit geeigneten wissenschaftlichen Methoden empirisch geprüft. Daher stellt die Mathematik und insbesondere die Stochastik eines der wichtigsten Werkzeuge des Psychologen dar. Methodisch finden sich heute neben den naturwissenschaftlichen Ansätzen teilweise auch solche der empirischen Sozialwissenschaften. Absolut vorherrschend sind auch hier quantitative Methoden. Die Psychologische Methodenlehre war ihrerseits für die Entwicklung der Methoden der empirischen Sozialforschung (insbes. der Befragung (z.B. Interview oder Fragebogenentwicklung) und der Beobachtung) wie auch für die Statistik (vgl. da z.B. Faktorenanalyse oder Conjoint-Analyse) sehr einflussreich und befruchtend.
Die Psychoanalyse Freuds sowie die Theorien anderer Vertreter einer Tiefenpsychologie wie Carl Gustav Jung oder Alfred Adler spielen in der heutigen akademisch-universitären Psychologie nur eine Nebenrolle, an den meisten Fakultäten wird die Psychoanalyse praktisch ausgeklammert (häufig nur als Stunde in der "Geschichte der Psychologie" vermittelt). Schon zu Zeiten Freuds verlief die Entwicklung unabhängig voneinander. Zwar rezipierte Freud zumindest Wundts Veröffentlichungen, wurde aber offenbar nicht von ihnen beeinflusst, was auch darin zu sehen ist, dass Freud (übrigens auch Schüler von Helmholtz) die Forschung verließ (und damit schlicht nicht mehr naturwissenschaftlich-experimentell arbeiten konnte) und schließlich später als praktizierender Arzt aus persönlichen, nicht mit (gängigen) Methoden durchgeführten Beobachtungen seiner Patienten und gedanklicher, deutender und interpretativer Verarbeitung seiner persönlichen Eindrücke, seine Theorie und Methode entwarf.
Der "Flirt" der Psychologie mit der Psychoanalyse fand erst viel später statt, insbes. im Rahmen einer Möglichkeit, stärker praktische Anwendungen im Repertoire zu haben, aber auch kurzzeitig als Forschungsparadigma. Einiges konnte, sofern wissenschaftlich untersuchbar, in Teilen belegt und später in weiterführende Modelle, z.B. der Kognitionspsychologie, integriert und weiter differenziert, oder eben auch schlicht besser erklärt werden. Gleichzeitig wurde auch sehr vieles empirisch widerlegt (so auch z.B. die Neurosenlehre). Insgesamt war die Psychoanalyse für die Psychologie wenig fruchtbar. Auf der Anwendungsseite wurden tiefenpsychologische Ansätze dann schnell mit wissenschaftlich abgesicherten und aus der empirisch-psychologischen Forschung entwickelten Verfahren, insbes. dem Klientenzentrierten Ansatz (wiss. Absicherung von Grundvariablen der professionellen Beziehungsgestaltung, sowie Prozess und Effekt von Interventionen (insbes. Beratung bei Anpassungsproblemen) und Psychotherapie) und später der Verhaltensanalyse und Verhaltenstherapie (zusätzlich Absicherung der theoretischen Grundlagen) ersetzt.
Bei der in der Öffentlichkeit häufig anzutreffenden Gleichsetzung von Psychologie und Psychoanalyse bzw. dem Verständnis von Psychoanalyse als Teildisziplin der Psychologie handelt es sich um einen populären Irrtum. Psychoanalytische Ideen spielen gleichwohl in der Entwicklungspsychologie, der Sozialpsychologie und der pädagogischen Psychologie sowie der klinischen Psychologie eine gewisse Rolle, aber wie erwähnt eher in historischem Kontext.
Einen relativ jungen Ansatz stellt die evolutionäre Psychologie (EP) dar. Evolutionspsychologische Ansätze finden sich heute in nahezu allen psychologischen Disziplinen und Forschungsfeldern, vor allem in der Entwicklungs- und Sozialpsychologie. Hier ist sie in der Aggressions- und Altruismusforschung, der Attraktivitätsforschung, in Forschungen zu Partnerschaft, Beziehungsgestaltung und Liebe sehr einflussreich und auch in der Organisations-/Personalpsychologie bildet sie eine theoretische Grundlage, ebenso wie z.B. in der Angstforschung.
Neben den erwähnten Hauptströmungen, gab und gibt es innerhalb der Psychologie viele Ansätze (Paradigmen). Die wichtigsten waren / sind die erwähnten, also das behavioristische Paradigma, das Informationsverarbeitende Paradigma und eben (historisch) auch das psychoanalytische/psychodynamische Paradigma. Ebenfalls wichtig sind sicher noch das Phänomenologische/Humanistische Paradigma, das Soziobiologische Paradigma (worunter oft auch die Evolutionäre Psychologie subsumiert wird, wenngleich sich diese zu einem eigenständigen Paradigma entwickeln könnte), das Eigenschaftsparadigma und das dynamisch-interaktionistische Paradigma.
Diese Paradigmen sind also keine Teildisziplinen der Psychologie (wie etwa die Allgemeine Psychologie), sondern jedes ist ein theoretisches Paradigma für die verschiedenen Teildisziplinen und Forschungsprogramme der Psychologie. Diese Ansätze, die sich in Grundannahmen und auch in der Methodologie unterscheiden, werden in der Regel nicht explizit erwähnt, bilden aber eine sehr wichtige Grundlage für das (korrekte) Verständnis der Psychologie, ihrer Theorien und v.a. der psychologischen Forschungsergebnisse. Heute sind innerhalb eines psychologischen Faches (einer Disziplin) in der Regel verschiende Paradigmen gleichberechtigt (so z.B. in der aktuellen persönlichkeitspsychologischen Forschung das Informationsverarbeitende Paradigma, das Eigenschaftsparadigma und das dynamisch-interaktionistische Paradigma). Diese Komplexität der Psychologie sollte man vor allem auch in Bezug auf die einzelnen Disziplinen berücksichtigen: es gibt eben innerhalb einer Disziplin immer verschiedene Ansätze, unter denen ein Gegenstandsbereich betrachtet werden muss, bzw. eben eine hohe methodologische Flexibilität, unter der eine Fragestellung möglichst optimal wissenschaftlich-methodisch beantwortet werden kann.
Disziplinen
Im Allgemeinen unterscheidet man in der Psychologie zwischen den Grundlagendisziplinen und der Angewandten Psychologie.
Grundlagendisziplinen
Innerhalb dieser Disziplinen kann man noch zwischen solchen unterscheiden, die auch Fundus anderer Grundlagenfächer sind, und solchen, die basale Erkenntnisse in spezifischen Kontexten liefern. Zu den ersteren gehören natürlich die Psychologische Methodenlehre, sowie die Allgemeine Psychologie und die Biopsychologie (die wiederum untereinander stark vernetzt sind), zu den letztgenannten die Sozialpsychologie, die Entwicklungspsychologie und die Persönlichkeits- und Differenzielle Psychologie.
- Die Psychologische Methodenlehre befasst sich mit der gesamten Bandbreite des Instrumentariums ("Handwerkszeug") psychologischen Erkenntnisgewinns. Sie stellt den existierenden Verfahrensfundus für andere Disziplinen der Psychologie bereit und ist gleichermaßen ein eigenständiges Forschungsgebiet mit dem Ziel, den Methodenbestand zu verbessern und zu ergänzen, etwa durch Eigenentwicklungen oder auch durch Adaption von Verfahren aus den Katalogen anderer Wissenschaften. Dabei reicht ihr inhaltliches Spektrum von Wissenschaftstheorie und Ethik über Experimentalmethodik, Evaluationsforschung bis hin zu Hilfswissenschaften mit hohem Stellenwert, v.a. Mathematik (insbes. Statistik) sowie Informatik oder Spezialfällen der Psychologischen Methodenlehre wie der Mathematischen Psychologie. Auch die Diagnostik gehört streng genommen zu den Methodenfächern.
- Die Allgemeine Psychologie erforscht grundlegende psychische Funktionsbereiche, wie Kognition, Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis, Denken, Problemlösen, Wissen, Aufmerksamkeit, Bewusstsein, Volition, Emotion, Motivation und Sprache, sowie Psychomotorik.
- Die Biologische Psychologie (auch Biopsychologie, Physiologische Psychologie, Psychophysiologie, Psychobiologie, Neuropsychologie) widmet sich hingegen den physischen Funktionsbereichen, die sich auf Verhalten und Erleben auswirken (Genetik, neuronale Prozesse, v.a. Anatomie und Physiologie des Gehirns, Sinnesphysiologie und Endokrinologie). Sie beschäftigt sich zusammen mit der Methodenlehre auch mit Messverfahren (physiologische Verhaltenskorrelate, wie z.B. Herzrate, Blutdruck, Elektrodermale Aktivität, Durchblutungsstatus z.B. des Gesichts, Elektroenzephalogramm (EEG, Hirnströme), bildgebende Verfahren (CT, MRT, PET, SPECT, ...), Muskelaktivität, sowie Laborparameter (insbes. Konzentration von verschiedenen Hormonen etc. in Urin, Blut oder Speichel) uvm.).
- Die Entwicklungspsychologie untersucht die psychische Wandlung des Menschen von der Empfängnis bis zum Tod (intraindividuelle Veränderungen, Ontogenese). Gegenstandsbereiche sind z.B. Faktoren der Entwicklung (Anlage, Umwelt), Entwicklungsstufen, Entwicklung der Wahrnehmung, der Psychomotorik, der kognitiven Kompetenzen, des Gedächtnisses, der Sprache, der Persönlichkeit, etc.
- Die Sozialpsychologie erforscht im weitesten Sinne die Auswirkungen sozialer Interaktionen auf Gedanken, Gefühle und Verhalten auf das Individuum („an attempt to understand and explain how the thought, feeling and behavior of individuals are influenced by the actual, imagined, or implied presence of others“, Allport 1968). Gegenstandsbereiche sind z.B. soziale Aspekte der Wahrnehmung (wie Personenbeurteilung, Vorurteile, Annahmen und Schlussfolgerungen über das Verhalten anderer Menschen, u.a.), soziale Aspekte der Emotion (z.B. auch Aggression), interpersonale Attraktion, Pro-soziales Verhalten, Einstellungen, Kommunikation oder auch Gruppenprozesse (Minoritäteneinfluss, Entscheidungsprozesse in Gruppen, Gruppendenken, Gehorsam (vgl. dazu z.B. das Milgram-Experiment oder das Stanford-Prison Experiment), Gruppenleistung, Intergruppenbeziehungen uvm.).
- Die Persönlichkeits- und Differenzielle Psychologie beschäftigt sich mit interindividuellen Unterschieden in den o.g. Bereichen der Allgemeinen Psychologie, sowie mit Persönlichkeitsmodellen, der Intelligenz und der Kreativität, sowie deren Messbarkeit (Operationalisierung der Konstrukte). Sie ist wichtige Grundlage für die Diagnostik und damit auch der Arbeits- und Organisationspsychologie.
Anwendungsgebiete
- Klinische Psychologie
Das klassische Anwendungsgebiet ist die Klinische Psychologie, die der Psychologischen Psychotherapie als Grundlage dient. Primär ist die Klinische Psychologie Grundlagenforschung, in dem sie aus der Erforschung von "gestörtem" Erleben und Verhalten Rückschlüsse auf "normale" psychische Funktionsbereiche liefert. Daher ist auch hier oft das Experiment die bevorzugte Methode des Erkenntnisgewinns. Gleichzeitig sucht sie aber auch nach Ursachen und Wirkungszusammenhängen von gestörten Funktionsbereichen (z.B. gestörter Informationsverarbeitung) und erforscht Grundlagen zur Entstehung, Symptomatik und Aufrechterhaltung von psychiatrischen Störungen (z.B. Depressionen). Hierzu gehört auch die Einbeziehung von externen Faktoren (bio-psycho-soziales Modell). Aus den Forschungsergebnissen ergeben sich Möglichkeiten, Methoden zur Veränderung zu entwickeln, die dann wiederum Forschungsgegenstand der Klinischen Psychologie sind. Insofern kann die Klinische Psychologie neben der Psychotherapie auch in Form von Trainings (z.B. zur regelmäßigen Einnahme von Medikamenten), Beratung und Training von Angehörigen usw. psychologische Hilfestellungen leisten. Sie überschneidet sich hier mit Diagnostik und Intervention bzw. wird durch diese ergänzt. Dabei gehört die klinisch-psychologische Diagnostik (ICD, DSM) einschließlich Befundung und Begutachtung ebenso zum Aufgabenfeld der Klinischen Psychologie wie die evidenz-basierte Therapieplanung, die Therapieevaluation und das Qualitätsmanagement. In der Berufspraxis, bzw. -realität muss aber davon ausgegangen werden, dass für alle diese Tätigkeiten eine Zulassung als Psychotherapeut unabdingbar ist.
Ein neues, sich evtl. verselbständigendes Teilgebiet der Klinischen Psychologie ist die Gesundheitspsychologie, die sich mit gesellschaftlichen Fragen nach wirksamer Prävention, gesundheitsförderlichem Verhalten (auch in Bezug auf die psychische Gesundheit) und den sozialen Faktoren von Krankheit sowie Stress beschäftigt.
- Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie (inkl. Wirtschaftspsychologie)
Die ABO-Psychologie umfasst die Analyse der Arbeit, Eignungsdiagnostik, Personalauswahl, Leistungsbeurteilung, Personal- und Organisationsentwicklung, Kommunikation, Gruppenprozesse, Führung, Ergonomie, Trainings, etc. (auch Werbe-, Verkaufs- und Marktpsychologie).
Thematisch ähnlich hierzu ist die Angewandte Sozialpsychologie.
In Deutschland entwickelten sich die Vorläufer während der Transformation der strukturell veralteten deutschen Armee nach dem ersten Weltkrieg. Hauptthema war die Eignungsdiagnostik, insbesondere die Eignung zur Führung. Dieses erstmalig von anderen Wissenschaftsbereichen (wie der Medizin oder der Pädagogik) unabhängige Anwendungsgebiet der Psychologie führte in Deutschland 1941 zur Etablierung der Psychologie als eigenständiger Diplomstudiengang.
- Pädagogische Psychologie
Ursprünglich bedeutsames Beschäftigungsfeld von Psychologen war die Erziehungsberatung, deren Weiterentwicklungen sich in der Pädagogischen Psychologie wiederfanden, aus der sich auch die Schulpsychologie entwickelte. Wobei sich heute die psychologische Erziehungsberatung kaum aus der Pädagogischen Psychologie, sondern vielmehr aus der Diagnostik und Intervention ableitet. Die Schulpsychologen sehen sich auch nicht als Pädagogische Psychologen, sondern ihren Beruf vielmehr gleichzeitig als Teilbereich sowohl der Diagnostik und Intervention und der Klinischen Psychologie (Diagnostik, Beratung, Training und Therapie von Schülern, Eltern und Lehrern, sowie Lehrersupervision), als auch der Organisationspsychologie (Evaluation, Leistungsdiagnostik, Organisationsentwicklung, Schulentwicklung, Mediation). Beide Disziplinen, v.a. aber die Schulpsychologie, stellen heute für Psychologen in Deutschland (anders als z.B. in den USA) eine äußerst geringe (und weiter schwindende) Bedeutung und Randexistenz dar.
Kleinere Anwendungsbereiche der Psychologie bilden u.a. die Verkehrs-, Medien-, Rechts-, Polizei-, Kultur-, Geronto-, Sport-, Umwelt- und die politische Psychologie.
Bei allen genannten Bereichen ist die Diagnostik von zentraler Bedeutung: Keine Intervention ohne Diagnose!
Grundsätzlich sind auch andere Bezeichnungen möglich. Z.B. solche, die einen Forschungsgegenstand benennen und diesen über alle ihn betreffenden Disziplinen hinweg und zusammenfassend beschreiben (z.B. Wahrnehmungspsychologie, Emotionspsychologie u.a.), oder auch solche, die zugrundeliegende Ansätze oder besondere Aspekte von Paradigmen betonen (z.B. Verhaltenspsychologie, Evolutionäre Psychologie u.a.). Diese eher bereichsspezifischen Bezeichnungen (mit entsprechender thematischer Bündelung von verschiedenen Inhalten) finden sich auch häufig dann, wenn es um eine umfassende Vermittlung von spezifischen Inhalten und weniger um Forschung und methodische Zusammenhänge geht, also inbes. wenn psychologisches Wissen im Rahmen von Neben- oder Hilfsfächern (z.B. an nicht-psychologsichen Fachbereichen, in Fachhochschulstudiengängen usw.) vermittelt wird. Hier werden auch zum Teil Bezeichnungen o.g. Grundlagendisziplinen anders inhaltlich ausgefüllt, wie z.B. Allgemeine Psychologie als eine den allgemeinen (ersten) Überblick gebende Einführung in die Psychologie (wie in den sprichwörtlichen 101 Kursen in den USA) oder Pädagogische Psychologie als Psychologie für Pädagogen.
Begriffe der Psychologie
- Konstrukt, Paradigma, Modell
- Wahrnehmung, Lernen, Erinnern, Vergessen, Gedächtnis, Denken, Kognition, Problemlösen, Emotion, Motivation, Bewusstsein
- Psychologischer Test, Skala
- Experiment, Methoden der empirischen Sozialforschung
- soziale Interaktion
- Intelligenz, Persönlichkeit
- Psychopathologie
Siehe auch
- Liste bekannter Psychologen und Psychotherapeuten
- Psychische Störung
- Psychotherapie
- Psychiatrie
- [http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Psychologie Portal Psychologie auf Wikipedia]
Literatur
Für Einsteiger
- Schwartz, Steven: Wie Pawlow auf den Hund kam.
- Heiner Keupp u. Klaus Weber (Hrsg.): Psychologie. Ein Grundkurs. ISBN 3-499-55640-5
- Mietzel, Gerd: Wege in die Psychologie. 12. Aufl. 2005. ISBN 3-608-94159-2
Lehrbücher allgemein
- Zimbardo, Philip G.: Psychologie, Pearson 2004. ISBN 3-827-37056-6. Der Zimbardo ist das Einstiegsbuch für alle angehenden Psychologen.
- Joachim Grabowski u. Elke van der Meer (Hrsg.): Hilgards Einführung in die Psychologie, Von Rita L. Atkinson, Richard C. Atkinson, Edward E. Smith u. a. Spektrum Lehrbuch. 2001. ISBN 3-8274-0489-4
- J. Müsseler & W. Prinz (Hrsg.): Allgemeine Psychologie, Heidelberg, Berlin 2002: Spektrum Akademischer Verlag.
- Dörner, Dietrich u. Selg, Herbert (Hrsg.): Psychologie - Eine Einführung in ihre Grundlagen und Anwendungsfelder, 2. Auflage, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln, 1996. ISBN 3-17-012266-5.
- Myers, David G. : Psychologie. Heidelberg, Berlin: Springer, 2005. 1029 S. ISBN 3-540-21358-9
Lehrbücher Einzelgebiete
- Goldstein, E.B. (2002). Wahrnehmungspsychologie. Spektrum Akademischer Verlag. ISBN 3827410835
- Birbaumer, N. & Schmidt, R. (2005). Biologische Psychologie. Springer Verlag. ISBN 3540254609
- Aronson, E. et al. (2003). Sozialpsychologie. Pearson Studium. ISBN 3827370841
- Oerter, R. & Montada, L. (2002). Entwicklungspsychologie. BeltzPVU. ISBN 3621274790
- Amelang, M. & Bartussek, D. (2001). Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. Kohlhammer. ISBN 3170166417
- Pervin, L. et al. (2005). Persönlichkeitstheorien. UTB. ISBN 3825280357
- Bortz, J. & Döring, N. (2002). Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler. Springer. ISBN 3540419403
- Bortz, J. (2004). Statistik für Human- und Sozialwissenschaftler. Springer. ISBN 354021271X
- Davison, G. et al. (2002). Klinische Psychologie. BeltzPVU. ISBN 3621274588
- Scharfetter, C. (2002). Allgemeine Psychopathologie. Thieme. ISBN 3135315053
- Jäger, R. & Petermann, F. (1999). Psychologische Diagnostik. BeltzPVU. ISBN 3621274596
- Lienert, G. & Raatz, U. (1998). Testaufbau und Testanalyse. BeltzPVU. ISBN 3621274243
- Schuler, H. (2003). Lehrbuch Organisationspsychologie. Huber. ISBN 3456840195
- Wickens, C. & Gordon, S. (1997). An Introduction to Human Factors Engineering. Prentice Hall. ISBN 0321012291
- Wolfgang Metzger: Psychologie - Die Entwicklung ihrer Grundannahmen seit Einführung des Experiments. 6. Auflage 2001, Krammer: Wien. Zugleich ein Klassiker der Gestaltpsychologie.
Sonstiges
- Gigerenzer, Gerd: Das Einmaleins der Skepsis. Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken. Berliner Taschenbuch Verlag (BTV). 2004. ISBN 3-8333-0041-8
- Watzlawick, Paul: Anleitung zum Unglücklichsein. Piper. 1988. ISBN 3-492-22100-9 (Original: The Situation is Hopeless but Not Serious)
Psychologie kritisch betrachtet
- Jervis, Giovanni: Grundfragen der Psychologie. 2001. ISBN 3-8031-2415-8
- Devereux, Georges: Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1998. ISBN 3518280619
- Holzkamp, Klaus: Grundlegung der Psychologie. 1985. ISBN 3593335727
- Vinnai, Gerhard: Die Austreibung der Kritik aus der Wissenschaft - Psychologie im Universitätsbetrieb. 1993. ISBN 3-593-34877-2 oder [http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2005/547/ kostenlos online.]
Weblinks
- [http://www.dgps.de Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)]
- [http://www.bdp-verband.org Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP)]
- [http://www.psychologie-studium.info Literatur zum Psychologiestudium]
- [http://psydok.sulb.uni-saarland.de/ Open Access Dokumente und kostenlos nutzbarer wissenschaftlicher Psychologie-Publikationsserver: PsyDok]
- [http://www.psytests.de/ PSYTESTS - Psychologische Onlinestudien]
- [http://www.lern-psychologie.de/ interaktive Lernumgebung zur Psychologie]
- [http://www.zpid.de/ Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID)]
- [http://wiki.pruefung.net Frei verfügbare Online-Literatur u.a. zum Thema Psychologie]
- [http://psychologie.fernuni-hagen.de/Lernportal/index.html Lernportal Psychologie der Fernuni Hagen]
- [http://www.psychologieforum.info/ Psychologieforum Innsbruck]
- [http://www.gehirn-und-geist.de/psychologie Psychologie im 21. Jahrhundert- Eine Standortbestimmung]
- [http://www.experimentalpsychologie.de Einführung in die Experimentalpsychologie und Testentwicklung]
- [http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/PLEX/ Gebärden-Fachlexikon der Psychologie]
Fachzeitschriften
- [http://www.journals.cambridge.org/journal_BehavioralandBrainSciences Behavioral and Brain Sciences]
- [http://www.trends.com/tics/default.htm Trends in Cognitive Sciences]
- [http://www.apa.org/journals/bul.html Psychological Bulletin]
- [http://www.annualreviews.org/catalog/2004/ps55.asp Annual Review of Psychology]
- [http://www.apa.org/journals/rev.html Psychological Review]
- [http://www.gehirnundgeist.de Gehirn und Geist – Populärwissenschaftliches Magazin]
- [http://www.psychologie-heute.de Psychologie Heute – Populärwissenschaftliches Magazin]
- Datenbank mit medizinischen Artikeln der nationalen medizinischen Bibliothek der USA (NLM) (Wiki)
- [http://www.psyche.de Zeitschrift für Psychoanalyse und ihre Anwendungen]
Kategorie:Wissenschaft
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ms:Psikologi
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Verstehen
Verstehen (engl. meist "understand") ist das inhaltliche Begreifen eines Sachverhalts, das nicht in der bloßen Kenntnisnahme besteht, sondern in der intellektuellen Erfassung des Zusammenhangs. Verstehen bedeutet nach Wilhelm Dilthey, aus äußerlich gegebenen, sinnlich wahrnehmbaren Zeichen ein “Inneres”, Psychisches zu erkennen. Der Fachterminus ist der Gegensatz zum Fachterminus Erklärung.
Verstehen im obigen Sinn und als Interpretation setzt Intelligenz bzw. Geist voraus. Nach Werner Sombart beruht das Verstehen "auf der Identität des Menschengeistes". Es ist also nur möglich aufgrund der prinzipiellen Identität von Erkenntnissubjekt und Erkenntnisobjekt. Nur Menschen können daher im eigentlichen Sinne verstanden werden.
Der Begriff des Verstehens im geistigen bzw. interpretativen Sinn spielt in der Philosophie und der Hermeneutik eine große Rolle. Ein Beispiel dafür ist die Frage des Philippus (Apostelgeschichte): "Verstehst du auch, was du da liest?"
Der Begriff Verstehen meint darüber hinaus auch
- akustisches richtiges Aufnehmen von Gesprochenem
- Verstehen der Sprache, insbesondere einer fremden
- Auslegung bzw. Interpretation
- Expertentum (sich "auf etwas Verstehen" etc.)
- Sich verstehen (z.B. von Preisen, zwischen Personen usw.)
Demgegenüber beinhaltet das Wort Verständnis meist auch emotionale bzw. zwischenmenschliche Aspekte.
Wenn Menschen sich verstehen, kann dies mehrfaches bedeuten:
- ein Erfassen der sprachlichen Mitteilung des Anderen (→ Fremdsprache)
- eine Sympathie oder Intuition zwischen Menschen, die oft durch Blick und Körpersprache ausgelöst oder verstärkt wird
- das Einfühlen (Verständnis), das intensive zwischenmenschliche Kommunikation voraussetzt, und
- die Selbsterkenntnis, das Verstehen des Ich und möglichst auch seine Akzeptanz.
Die letzten zwei Aspekte erfordern neben willens- und geistigen Prozessen auch emotionale Intelligenz (EQ).
Beim Verstehen einer Sprache geht es einerseits um einen Lern- und Erfahrungsprozess, andererseits um die erschwerte Interpretation des aufgenommenen Sachverhalts.
Verstehen einer sprachlichen Mitteilung kann durch verschiedenartige Störungen erschwert werden, beispielsweise durch Rauschen oder durch Schwerhörigkeit. Verstehen kann durch Redundanz erleichtert werden. Bei sprachlichen Mehrdeutigkeiten und unterschiedliches Weltwissen kann es zu Missverständnissen führen. Bei genügend Redundanz ist auch bei starker Fehlerhaftigkeit der Information noch Verstehen möglich.
Ob Tiere etwas verstehen können, ist umstritten. Versuche bei Affen zeigten aber, dass sie eine dreistellige Anzahl von Wörtern lernen und richtig anwenden können.
Zitat
- Welche Wortspiele und Verrenkungen die Logik auch anstellen mag – verstehen heißt vor allem vereinen. Das tiefe Verlangen des Geistes trifft sich selbst bei seinen verwegensten Schritten mit dem unbewussten Gefühl des vor seine Welt gestellten Menschen: das Bedürfnis nach Vertrautheit, das Verlangen nach Klarheit. Die Welt verstehen heißt für einen Menschen, sie auf das Menschliche zurückführen, ihr seinen Siegel aufdrücken. – Albert Camus (Der Mythos des Sisyphos, ISBN 3499227657, S. 27f)
- "Ich höre und vergesse. Ich sehe und behalte. Ich handle und verstehe... - (Konfuzius)
Siehe auch
- Soziologie als verstehende Wissenschaft bei Max Weber
- Schleiermacher
- Hans-Georg Gadamer
Kategorie:Erkenntnisprozess
simple:Understanding
AbstrahierenAls Abstraktion (von lat. abstrahere: abziehen, wegziehen) bezeichnet man den Prozess rationaler Verarbeitung von konkretem Sinnesmaterial, wobei von bestimmten äußeren, individuellen oder zufälligen Merkmalen, Eigenschaften und Beziehungen des betreffenden Objekts abgesehen wird, andere, allgemeingültige (unsichtbare) strukturelle Eigenschaften dagegen als wesentlich herausgehoben und zugleich variabel oder modellhaft betrachtet werden.
Vorkommen
Abstraktionen kommen in einer Vielzahl von Bereichen vor. Kinder abstrahieren, wenn sie Gegenstände zeichnen. Sie reduzieren die Darstellung auf wenige ihnen bedeutend erscheinende Momente. Komplexere Abbildungsverfahren abstrahieren, eine eigene Kunstrichtung abstrakter Malerei entstand rund um die Option, die pure gegenständliche Abbildung verlassen zu können.
In den Naturwissenschaften ist jede Standardisierung der Darstellung über Formeln eine Abstraktion. Die Mathematik, die Informatik, die Philosophie können als pure Wissenschaften der Abstraktion begriffen werden: Es geht mit ihnen nicht um konkrete Dinge - einen Patienten, eine lokale geologische Formation, sondern um die Überführung von Problemen in einen Bereich, in dem klarer argumentiert und geschlossen werden kann. Der Statiker überführt Vorgaben in ein Modell, in dem er berechnen kann, ob ein bestimmter Träger eine bestimmte Last aushält. Philosophen führen eine konkrete Debatte vom vorliegenden Anlass weg und fragen nach den grundsätzlichen Entscheidungen, die hier getroffen werden sollen - nach Entscheidungen, die man so bei vergleichbaren Gelegenheiten wieder treffen will, und die darum gerechter sein könnten als die Entscheidung, die man im speziellen Fall voreingenommen treffen möchte.
Eine ganze Reihe von Abstraktionen bestimmen unser gesamtes Leben: Edelmetalle wie Gold haben einen Wert, der sich an ihrer Seltenheit und an der Nachfrage nach ihnen bemisst. Die Tatsache, dass sie sich nicht beliebig vermehren lassen, machen sie geeignet als Gegenwert beliebiger Dinge zu dienen - als Gegenwert von Arbeitszeit, genauso wie als Gegenwert von Gütern, die gegen Gold eingetauscht werden könnten. In einer weiteren Abstraktion - der Philosoph Alfred Sohn-Rethel prägte im Hinblick hierauf den Begriff der Realabstraktion - kann Geld mit nur mehr nominellem Wert in Umlauf gebracht werden und als abstrakter Wert für reale Werte stehen.
Grundsätzliche Optionen der Abstraktion
Das Verfahren der Abstraktion enthält eine Reihe unterschiedlicher Aspekte. Die klassischen Formen der Abstraktion sind folgende:
- Generalisierende Abstraktion: hier werden übergreifende Merkmale gesucht, Generalisierungen, Verallgemeinerungen und Invarianten, Aspekte, die ein Ding immer haben muss, wenn es in eine bestimmte Kategorie fallen soll. Ein spezieller Bereich der Philosophie beschäftigt sich mit solchen Invarianten.
- Isolierende Abstraktion: hier wird der Blick auf isolierte, einzelne sofort als typische anerkannte Merkmale gelenkt. Eine Karikatur lebt von dieser Option, indem sie den Blick auf charakteristische Merkmale eines einzelnen Individuums lenkt und dieses bei großer Abstraktion noch persönlich erkennbar macht.
- Idealisierende Abstraktion: sie geht davon aus, dass alle bestehenden Objekte, die unter einem Begriff gefasst werden, nur annäherungsweise Ausprägungen eines vollkommeneren Ideals sind. Eine "quadratische" Tischplatte wird sich nie als vollkommen quadratisch erweisen. Unsere Vorstellung davon, was ein Quadrat ist, bezieht sich auf geometrische Idealdefinitionen von Winkeln und Linien, nicht auf ein Musterquadrat, das irgendwo auf der Welt zum Maßnehmen aufbewahrt wird.
Abstraktion in der Geschichte der Erkenntnistheorie
Zum Problem der Abstraktion in der griechischen Antike
Das Problem der Abstraktion gehört zu den grundlegenden und schwierigsten Fragen der Erkenntnistheorie. Platon wies als erster darauf hin, dass es zur Erkenntnis notwendig sei, eine Idee begrifflich von allen anderen abzusondern. Ausführlich hat sich Aristoteles mit der Abstraktion beschäftigt, als er die Frage untersuchte, wie das Denken vom sinnlich gegebenen Einzelnen zum Allgemeinen gelangt. Das Denken kann das Allgemeine, die Form, nur vermittels der Vorstellungsbilder erkennen, die von der Wahrnehmung stammen. Dabei sondert das Denken bestimmte Eigenschaften von den konkreten Gegenständen ab. "Das sogenannte Abstrakte denkt die Denkkraft, wie sie, wenn sie das Stumpfnasige nicht, insofern es stumpfnasig, sondern insofern es hohl ist, wirklich dächte, dieses ohne Fleisch dächte, in welchem das Hohle liegt - so also denkt sie das Mathematische: Ungetrenntes, als ob es getrennt wäre, wenn sie das Mathematische, insofern es mathematisch ist, denkt". Der Mathematiker lässt in seinen Betrachtungen alles Sinnliche weg, er lässt nur das Quantum übrig und betrachtet es für sich. Trotz dieser wesentlichen Ansätze war Aristoteles jedoch zum damaligen Wissensstand nicht imstande, zu erklären, wie die abstrakte Erkenntnis aus dem sinnlichen Material gewonnen wird.
Zum Problem der Abstraktion bei Thomas von Aquin und John Locke
An Aristoteles knüpft Thomas von Aquin in seiner Abstraktionstheorie an, verbindet sie jedoch mit Elementen des Platonismus. Der Verstand durchleuchtet vermöge seiner Teilhabe am Licht der göttlichen Vernunft die Vorstellungsbilder und abstrahiert aus ihnen die Formen, die urbildlich in Gottes Verstand vor den Dingen (ante rem), zugleich abbildlich in den Dingen (in re) und schließlich als Allgemeinbegriffe im menschlichen Verstand nach den Dingen (post rem) existieren. Auf diese Weise versuchte Thomas von Aquin den Universalienstreit zu lösen. Die weitere Entwicklung der Abstraktionstheorie erfolgte durch Philosophen der materialistischen Richtung. John Locke sah in der Abstraktion eine Tätigkeit des Verstandes, in deren Verlauf allgemeine Ideen und zu ihrer Bezeichnung allgemeine Wörter gebildet werden, indem sie von zeitlichen und örtlichen Umständen und anderen Ideen getrennt werden. Bei der Abstraktion werden die Merkmale, die für die einzelnen Ideen eigentümlich sind, weggelassen und nur die zurückbehalten, die ihnen allen gemeinsam sind. Dadurch werden diese Ideen zu allgemeinen Repräsentanten für alle Dinge von derselben Art, und man kann die Dinge in Klassen einteilen. Aber die Allgemeinheit, die durch die Abstraktion erreicht wird, ist eine Erfindung des Verstandes, sie kommt nicht den Dingen zu, denn diese sind alle einzeln, und das, was Wesen oder Wesenheit genannt wird, ist nichts als die vom Menschen durch Abstraktion geschaffene abstrakte Idee.
Die Abstraktion hat nur den Sinn, dass der Mensch die Dinge gleich bündelweise betrachten und besprechen kann, während ohne allgemeine Namen hierzu unendlich viele Namen gebraucht würden.
Lockes Auffassung ist der Prototyp der empiristischen Abstraktionsthorie, die bis in die Gegenwart über George Berkeley und David Hume im Neopositivismus wirksam ist. Ihr Mangel aus Sicht des Dialektischen Materialismus ist, daß sie
- 1. von der metaphysischen Annahme ausgeht, die materielle Welt bestehe aus lauter isolierten Dingen, also die Existenz von allgemeinen Zusammenhängen, Klassen u.a. ignoriert und
- 2. nur den elementaren, "oberflächlichen" Vorgang des Abstraktionsprozesses erfasst, das Weglassen von Merkmalen
Zum Unterschied von der empiristischen Auffassung der Abstraktion, die von der Position von Berkeley, Hume, später von John Stuart Mill und Ernst Mach, schließlich von den gesamten Vertretern des Positivismus übernommen wurde, vertraten Bernhard Bolzano, Edmund Husserl und zeitweilig auch Bertrand Russell eine platonische Auffassung der Abstraktion, nach der die Abstraktion darin bestehe, an sich existierende Begriffe zu erfassen.
dialektische Auffassung der Abstraktion
Eine dialektische Auffassung der Abstraktion wurde erstmals von Hegel entwickelt. Er hielt die Abstraktion, das abstrahierende Denken für ein wesentliches Moment des Erkenntnisprozesses und wandte sich gegen die Vorstellung, dass beim Abstrahieren nur zu unserem subjektiven Behuf (d.h. Zweck) das eine oder das andere Merkmal weggelassen werde. "Das abstrahierende Denken ist daher nicht als bloßes Auf-die-Seite-Stellen des sinnlichen Stoffes zu betrachten, welcher dadurch in seiner Realität keinen Eintrag leide, sondern es ist vielmehr das Aufheben und die Reduktion desselben als bloßer Erscheinung auf das Wesentliche, welches nur im Begriff sich manifestiert".
In der Auffassung innerhalb der materialistischen Dialektik ist die Abstraktion ein wichtiges Erkenntnisinstrument, das es gestattet, aus dem Material der Sinneserfahrung die wesentlichen, notwendigen, allgemeinen Beziehungen und Eigenschaften d | | |